Aichach    

Die dunkle Seite der Kunst

Aichach – „Wahrlich ich lebe in finsteren Zeiten“. Der Anfang von Bert Brechts Gedicht „An die Nachgeboren“ kommt einem in den Sinn, geht man durch die Ausstellung zum 21. Aichacher Kunstpreis. Es dominieren dunkle, schwarze Arbeiten. Das macht die Ausstellung nicht zu einem düsteren Erlebnis, wirft aber doch Fragen nach dem Zustand der Welt in der Gegenwart auf: Sind die 43 ausgewählten Bilder und plastische Werke doch durchaus ein repräsentativer Ausschnitt aus dem 178 eingereichten Arbeiten, wie Jakob Steinberger, Vorsitzender des Aichacher Kunstvereins, sagt. Also alles dunkel?

<p>Die dunkle Seite der Kunst </p>

Dass es bei den Arbeiten, die für den bayernweit ausgeschriebenen Preis eingereicht werden, übergreifende thematische oder formale Tendenzen gibt, war auch in den vergangenen Jahren immer wieder der Fall. Mal überwogen plastische Arbeiten und Installationen, mal lag ein Schwerpunkt bei der Malerei.

In diesem Jahr ist die Ausstellung weniger raumgreifend, die Räume im San-Depot an der Donauwörther Straße sind luftiger bespielt, und auch die ausgewählten Installationen und Skulpturen sind, bis auf wenige Ausnahmen, nicht massiv und schwer, sondern leicht, luftig, spielerisch und zumindest manche setzen so einen Gegenpol zu den dunklen Bildern.

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Es spricht für die Jury und Kuratoren der Ausstellungen, dass auch die leisen und kleineren Arbeiten nicht untergehen und ganz besondere Entdeckungen ermöglichen. Besonders trifft das auf Monika Supe und ihr „Alles ist eine Frage der Perspektive 2“ zu: Was wie eine Bleistiftzeichnung erscheint, ist ein virtuoses Spiel mit Licht und Schatten, bei dem Form und Inhalt wunderbar ineinander gegen: Ist Europa tatsächlich nur ein Schatten?

Birgit Höppl, stellvertretende Leiterin des Edwin-Scharff-Museums in Neu-Ulm, Dr. Thomas Elsen, stellvertretender Direktor der Augsburger Museen und Kunstsammlungen, der stellvertretende Kunstvereinsvorsitzende Werner Plöckl sowie die beiden letztjährigen Kunstpreisträger Ruth Strähhuber und Michael Herdens haben als Jury ohne Frage eine schwierige Aufgabe gut bewältigt. Bei der Entscheidung über den Preisträger standen ihnen auch noch Birgit Cischek, die Vorstandvorsitzende der Sparkasse Aichach-Schrobenhausen, und Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann zur Seite. Stadt und Sparkasse vergeben gemeinsam den Kunstpreis, in diesem Jahr bereits zum 21. Mal. Bekannt gegeben wird der Gewinner am Sonntag, 21. September, um 14 Uhr im San-Depot.

Nach der Premiere im vergangenen Jahr gibt es auch heuer wieder einen mit 300 Euro dotierten Publikumspreis. Jeder Besucher erhält eine Karte, mit der er seinen Favoriten wählen kann. Der Publikumspreis wird bei der Finissage am Sonntag, 19. Oktober, um 16 Uhr vergeben.

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Veröffentlicht am 01.05.2015 23:00 Uhr




 

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