Aichach    

Podiumsdiskussion zur Landratswahl: Drei Konkurrenten, viel Konsens

Dasing – Knapp 200 Besucher nutzten am Freitagabend im Dasinger Bauernmarkt die Gelegenheit, sich bei der AZ-Podiumsdiskussion im direkten Vergleich ein Bild von den drei aussichtsreichsten Landratskandidaten Dr. Klaus Metzger (CSU), Ronald Kraus (SPD) und Sepp Bichler (Unabhängige) zu machen. Der Umgang der Politiker untereinander war fair, ja fast schon freundschaftlich, die Antworten überzeugten durch Sachkenntnis und Klarheit. Knapp zwei Stunden stellte sich das Trio den Fragen der AZ-Redaktion und von Lesern der Heimatzeitung. Wichtigste Erkenntnis: Zwischen den drei Konkurrenten besteht in vielen Fragen zur Zukunft des Wittelsbacher Landes erstaunlich viel Konsens.

<p>Drei Konkurrenten, viel Konsens </p>

Die Anfangsnervosität war schnell verflogen, es herrschte gelöste Stimmung im Saal. Unter den Zuhörern befanden sich zahlreiche Kommunalpolitiker, amtierende Bürgermeister, Abgeordnete – und Fanblocks der Spitzenkandidaten. Gemessen am Zwischenapplaus und an Gesprächen am Rande der Diskussion hat Sepp Bichler als Punktsieger den Heimweg angetreten. Der streitbare Sielenbacher spielte seine langjährige kommunalpolitische Erfahrung geschickt aus, präsentierte sich schlagfertig, zwischendurch auch angriffslustig, und machte deutlich, ganz unbürokratisch die Ärmel hochkrempeln zu wollen. „Es wird sicher spannend, wenn ich Landrat werde – für alle Beteiligten!“ Dass er bereits 63 Jahre alt ist, stellt für den Macher-Typ Bichler kein Kriterium dar: „Der Papst ist 78 und will die Weltkirche verändern. Der bayerische Ministerpräsident ist 64, und niemand in der CSU wird wohl sagen, Seehofer ist zu alt.“ Worte eines Landwirts und Unternehmers, der sich als Alternative für den Wähler sieht – und weiß, dass er polarisiert. Es gibt Anhänger und Kritiker, dazwischen bleibt nur wenig Spielraum.

Punkten konnte zweifellos auch Dr. Klaus Metzger. Der Gersthofener ist Leiter des Schulamts Aichach-Friedberg, selbstbewusst, rhetorisch sehr gewandt, hört aufmerksam zu und reagiert auf leise Zwischentöne sachlich sowie informativ – und spielt das vermeintliche Manko des politischen Quereinsteigers als Trumpfkarte aus. Er sei im politischem System niemandem etwas schuldig, könne so offen auf alle Beteiligten zugehen und sein oberstes Ziel verfolgen: „Politik muss den Menschen dienlich sein.“ Er sei für das Amt vorgeschlagen worden, „weil man es mir zutraut“. Dass ausgerechnet die CSU einen Bewerber ins Rennen schickt, der über keinerlei „Stallgeruch“ verfügt, ist für den 50-Jährigen Beleg, „dass wir nicht so verkrustet sind, wie man uns vorwirft“.

Im direkten Vergleich etwas blass blieb Ronald Kraus. Er habe Spaß an Politik und halte es für wichtig, „dass jemand mit kommunalpolitischer Erfahrung Landrat wird“. Seit zwölf Jahren sitzt der 51-Jährige im Gemeinderat in Kissing, seit sechs Jahren ist er Kreisrat, und schon zum zweiten Mal kandidiert er für die SPD als Landrat. Kritik, er habe die zurückliegenden Jahre zu wenig genutzt, um sein politisches Profil zu schärfen, weist Kraus zurück. Ihm gehe es stets um die Sache: „Hitzige Diskussionen und Zwischenrufe sind nicht meine Art“, betonte der Diplom-Ingenieur, der seine Antworten kurz und knapp formuliert, auf Ausgleich bedacht ist und sich nicht in den Mittelpunkt drängt.

Souverän moderierten AZ-Redaktionsleiter Dr. Berndt Herrmann und die ebenfalls für die Kreistagsberichterstattung zuständige Redakteurin Carina Lautenbacher die Fragerunde, ließen den Kandidaten Freiraum für das direkte Gespräch untereinander, ohne den roten Faden zu verlieren. Das Publikum zeigte sich bis zum Schluss überaus aufmerksam und war vermutlich ebenso erstaunt wie die Diskussionsleitung über die breite Linie des Konsenses unter den Kandidaten.

Neben vielen Übereinstimmungen in programmatischen Fragen fiel der gemeinsame Ansatz bei der Herangehensweise auf. Alle drei wollen Chefs sein, die ihre Mitarbeiter nicht nur führen, sondern auch fördern und legen großen Wert auf gutes Arbeitsklima und Teamgeist. Alle drei sehen sich als Moderatoren, als Mittler zwischen den Gemeinden und dem Landkreis. Klaren Verbesserungsbedarf im Verhältnis des Kreises zu den Kommunen meldete insbesondere Bichler an, der seinem CSU-Konkurrenten zu dessen Ansinnen gratulierte, bürokratische Hürden abbauen zu wollen: „Es heißt ja Landratsamt. Wir sollten künftig wieder weniger auf das ,Amt’ setzen, sondern mehr auf ,Rat’“, hatte Metzger als Ziel formuliert.

Weiterer ausführlicher Bericht über die AZ-Podiumsdiskussion in der Montagausgabe der AICHACHER ZEITUNG. Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie die Kandidaten zu Windkraft stehen.

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Veröffentlicht am 06.10.2014 00:03 Uhr




 

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