Aichach    

Kritik an Funktionalität und Optik

Aichach - Der Bau der Aussegnungshalle am Neuen Friedhof in Aichach stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Bis ins Jahr 2013 geht der Beschluss zurück, das alte Provisorium zu ersetzen. Erst nach diversen Diskussionen um die Konzeption, die Kosten und einem "Eindampfen" der Pläne samt Schwierigkeiten bei Ausschreibungen konnte gebaut werden. Noch ist nicht alles fertig, die Debatte über das Bauwerk hat allerdings längst Fahrt aufgenommen. Zum Teil harsche Kritik gibt es insbesondere an der Funktionalität und der Optik. Nur ein Sturm im Wasserglas? Die Stadt verteidigt das Bauwerk und bittet noch um etwas Geduld bis zur abschließenden Fertigstellung, räumt aber auch einen Fehler ein.

Letzterer hat eine politische Dimension. Als die geschätzten Kosten nach exakter Berechnung auf weit über 700 000 Euro gestiegen waren, stutzte die damalige Bauamtsleiterin gemeinsam mit dem Architekten die Pläne zusammen, um die vom Stadtrat maximal ausgelobte Summe von gut 500.000 Euro einhalten zu können. Der Stadtrat erfuhr erst später davon, trug die neuen Pläne dann zwar mit, war aber entsprechend aufgebracht. "Das war ein Fehler, den nehmen wir auf uns", sagt Bürgermeister Klaus Habermann. Dass man sich von der damaligen Bauamtsleiterin später getrennt hat, ist die eine Geschichte. Habermann und seine Verwaltung sind gleichzeitig aber auch überzeugt davon, dass der Stadtrat so oder so für die reduzierte Variante votiert hätte. Eine Aussegnungshalle für über 700.000 Euro, "da hätten alle den Kopf geschüttelt", unterstreicht Ordnungsamtsleiter Manfred Listl mit Blick auf die Friedhofsgebühren, auf die solche Investitionen Auswirkungen haben.
Im Zuge des "Eindampfens" wurden Räume kleiner, die Aufbahrung beispielsweise wurde in die Funktionsräume verschoben. Unpraktisch und nicht funktional sei dies, heißt es nun. Das mag man bei der Stadt nicht nachvollziehen. Bis dato wurden die Toten in der Aussegnungshalle am Alten Friedhof aufgebahrt, erst vor der Beerdigung wurden sie zum Neuen Friedhof gebracht. Nun gibt es dort eine eigene Kühlvitrine, Trauernde können sich von den aufgebahrten Toten durch eine Glasfront verabschieden. Erst zur Aussegnung werden sie in die Halle gefahren. Aus Kostengründen verzichtet wurde auf eine bewegliche Fensterfront. Nun sind die West- und die Ostseite bis auf die Türflügel fest verglast, die großflächigen Elemente haben Luftspalten. Das sorgt für Kritik. Es ziehe heftig, heißt es. Die Spalten seien zwingend erforderlich gewesen, erläutert Helmut Baumann, stellvertretender Leiter des Aichacher Bauamtes, und verweist auf einen eigens eingeschalteten Bauphysiker. Andernfalls hätte es Kondenswasser gegeben. Alternativ hätte man eine Heizung einbauen müssen. Auch eine Kostenfrage und vor allen Dingen übertrieben, wie Bürgermeister Klaus Habermann herausstellt. Er bittet die Besucher, sich doch an den bisherigen Zustand zu erinnern. Dunkel sei es da im Aussegnungsbereich gewesen und gezogen habe es bei Wind und Wetter. Davon abgesehen hatten nur die engsten Verwandten Platz auf ein paar Stühlen. "Jetzt haben wir eine lichtdurchflutete Halle mit fast 80 Sitzplätzen, die auch noch beheizt sind", so der Bürgermeister, der darüber hinaus zu bedenken gibt, um was es geht: "Es geht um maximal 15 Minuten. Danach marschiert die Trauergemeinde ja ohnehin ans Grab." Von Robert Edler


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Veröffentlicht am 10.02.2019 23:00 Uhr




 

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