Aichach    

Am oberen Rand

Aichach - "Es sind alles Dinge, die schon begonnen wurden, die dringlich sind, die nicht mehr zu schieben sind." Was Bürgermeister Klaus Habermann am Mittwochabend über die Bauvorhaben im Bauausschuss des Stadtrats sagte, hört sich an wie die Aichacher Version von "alternativloser" Politik. Aber viel Spielraum scheint es tatsächlich nicht zu geben. Zunächst beraten nun aber die Fraktionen das 12,8 Millionen Euro umfassende Programm, dann kommt es in den Stadtrat. Habermann ist aber sicher, dass es keine großen Veränderungen geben wird: "Wir haben nichts gefunden, was man schieben kann."

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Großen politischen Streit wird es wohl auch aus anderen Gründe nicht geben. Zum einen hat die Verwaltung das Bauprogramm des vergangenen Jahres in einem außergewöhnlichen Maße abgearbeitet. In der Vergangenheit war eine aus ihrer Sicht aufgeblähte Agenda stets ein Kritikpunkt der Freien Wählergemeinschaft (FWG). Die Gruppierung hat schon angekündigt, den Gesamthaushalt in diesem Jahr mitzutragen.
Zum anderen scheint es Konsens darüber zu geben, dass 2019 einen Sonderfall darstellt, nicht zuletzt auch wegen der anstehenden Landesausstellung 2020. Für die folgenden Jahre plant denn auch Wilhelm Rottenkolber, der Leiter der städtischen Finanzverwaltung, mit niedrigeren Haushaltsansätzen. Aber auch dann stehen Großprojekte an, etwa der Erweiterungsbau des Verwaltungsgebäudes am Tandlmarkt, der sich finanziell vor allem im Jahr 2021 auswirken wird. Dann wird es auch nicht mehr ohne neue Kredite gehen, zumal die Rücklagen in diesem Jahr bis auf das Minimum abgebaut werden.
Was mit der Alternativlosigkeit gemeint ist, zeigt ein Blick auf den Bereich Wasser/Abwasser. Vor allem bei den Kanälen stehen in diesem und den kommenden Jahren dringend notwendige Erneuerungen an. Zeitlichen Spielraum gibt es wenig, erschwerend kommt hinzu, dass die Preise bei Kanal- und Wasserleitungsbau gerade sehr hoch sind.
So stehen zum Beispiel für die Kanalerneuerung in der St. Martinstraße, der Bergener Straße und am Schmiedberg in Mauerbach in diesem Jahr 250 000 Euro im Plan, in den beiden folgenden nochmal 850 000 Euro. Für die Optimierung der Kläranlage sind 450 000 Euro vorgesehen, 2020 und 2021 stehen insgesamt weitere 2,5 Millionen Euro an. Der Kanal in der Steidlestraße kostet 250 000 Euro, für die dortige Wasserleitung stehen 650 000 Euro an, in der Oberen Vorstadt 350 000 Euro. Die Verbesserung des Wasserwerks in Untergriesbach ist mit 550 000 Euro in diesem Jahr und mit 1,9 Millionen Euro in den Folgejahren kalkuliert. Zu den größten Brocken zählen auch die Leitungserneuerung in der Blumenthaler Straße in Klingen (500 000 Euro, 2020 nochmal 430 000 Euro) und der Pfarrer-Steinacker-Straße in Ecknach mit 820 000 Euro; 2020 sind noch 500 000 Euro eingestellt. Viel Geld also, das buchstäblich im Boden versenkt wird.
Im Straßenbau, das ist wenig überraschend, fließt das meiste Geld in die Umgestaltung der Oberen Vorstadt : 2,2 Millionen Euro in diesem Jahr, 1,2 Millionen in den nächsten beiden Jahren.
Zu den größeren Posten zählen auch die Steidlestraße (150 000 Euro), die Gartenstraße (250 000 Euro und die Deckensanierung der alten B 300 von der Flutgrabenbrücke bis zum "Seestern" (230 000 Euro). Der Ausbau des Gehwegs an der Blumenthaler Straße steht 200 000 Euro und 2020 nochmal mit derselben Summe im Plan.

Von Dr. Berndt Herrmann


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Veröffentlicht am 07.02.2019 23:00 Uhr




 

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