Aichach    

Maja darf nicht sterben: Infos zum Volksbegehren

Friedberg - Schon Albert Einstein soll 1949 gesagt haben: Erst stirbt die Biene - vier Jahre später der Mensch. Warum so pessimistisch? Ganz einfach: Ohne Bienen gibt es keine Bestäubung, ohne Bestäubung keine Pflanzen, ohne Pflanzen keine Tiere und demzufolge bald auch keine Menschen mehr. Logik war schon immer Einsteins Stärke.

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Der Biologe Wolfhard von Thienen erklärte die Problematik kürzlich in Friedberg wie folgt: "Wir haben fast eine Millionen Insektenarten auf der Erde. Wenn ein Außerirdischer käme, würde er denken, wir sind ein Planet der Insekten." Es gibt rund 300 000 verschiedene Blütenpflanzen, etwa 16 000 Vogel- und rund 5500 Säugetierarten. Zum Schluss folgt der Mensch. Und dieser wird gerade Zeuge des größten Artensterbens seit dem Verschwinden der Dinosaurier.
54 Prozent aller Bienen sind bedroht oder bereits ausgestorben. Es gibt kaum noch Schmetterlinge. Rund 75 Prozent aller Fluginsekten sind nicht mehr da, was zumindest den Autofahrern bereits aufgefallen sein dürfte. Die Windschutzscheiben sind im Sommer nach langen Touren deutlich sauberer als noch vor zehn Jahren.
Eine Art ist jedoch auf die andere angewiesen. Die Vögel beispielsweise brauchen Insekten als Futter. Haben sie nicht genug, werden sie immer weniger. Das gesamte Gleichgewicht der Natur gerät aus den Fugen. Lerchen, Kiebitze und Schwalben sind schon deutlich dezimiert. Von Thienen sagt voraus: "In 250 Jahren stirbt der homo sapiens aus."
Damit es eben nicht so weit kommt, hat die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) das Volksbegehren "Rettet die Bienen - stoppt das Artensterben" ins Leben gerufen. Diesem haben sich der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV), Bündnis 90/Die Grünen, die Partei Freie Bürger Friedberg, der bayerische Imkerverband, der Bund Naturschutz in Bayern, die SPD und zahlreiche weitere Verbände angeschlossen. "Es steht auf einem breiten Fundament", erklärt die Sprecherin der Initiative in Aichach-Friedberg, Constanze von Tucher von der ÖDP. "Bei der Unterschriftensammlung für die erste Zulassungsphase des Volksbegehrens haben wir statt der geforderten 25 000 fast 100 000 zusammen bekommen. Wir haben jetzt die einmalige Chance, ein überaus wirksames Naturschutz- und Artenvielfalt-Gesetz zu schaffen."
Es werden etwa eine Millionen Stimmen der wahlberechtigten Bürger benötigt, damit das Gesetz zur Rettung der Artenvielfalt in Bayern aufgenommen wird. Es sieht vor Lebensräumen für Tiere zu vernetzen, Hecken, Bäume und kleine Gewässer in der Landwirtschaft zu erhalten und blühende Randstreifen an allen Bächen und Gräben stehen zu lassen. Des weiteren soll die ökologische Landwirtschaft massiv ausgebaut werden. Die staatlichen Flächen sollen ohne Pestizide bewirtschaftet werden und zehn Prozent aller Wiesen müssten in reine Blühwiesen umgewandelt werden. Zudem soll der Naturschutz zur Ausbildung von Land- und Forstwirten gehören. Denn die Ursachen für das Insektensterben haben aktuell noch viel mit industrieller Landwirtschaft zu tun. Demzufolge möchte man besonders kleinbäuerliche Landwirte fördern.
Eine gesetzliche Vorgabe sei unumgänglich, um das dramatische Artensterben in Bayern zu beenden, sagt Stefan Höpfel (LBV). Wolfgang Rockelmann von der Partei Freie Bürger Friedberg pflichtet ihm bei: "Es muss eine Änderung in den Köpfen der Leute stattfinden." Denn zunächst einmal würden die Preise für landwirtschaftliche Produkte steigen.
In Augsburg müssen 30 000 Bürger unterschreiben, in Aichach-Friedberg 13 000. Das Volksbegehren zur Erhaltung der Artenvielfalt liegt vom 31. Januar bis 13. Februar in jedem Rathaus aus. Auch Kranke und Behinderte können teilnehmen: Sie müssen jemanden mit einer Vollmacht schicken, um einen Eintragungsschein abzuholen.
Im Übrigen kann jeder in seinem Garten oder auf seinem Balkon etwas tun, um die Bienen zu erhalten. Ernst Haile, Vorsitzender der Kreisgruppe Aichach-Friedberg im Bund für Naturschutz Bayern empfiehlt: "Man kann einfach Immerblüher kaufen, die gibt es in jedem Gartenfachgeschäft." Landwirte müssen umdenken

Von Silke Wiederich


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Veröffentlicht am 18.01.2019 23:00 Uhr




 

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