Aichach    

Land sucht Arzt

Aichach/Dachau - Die hausärztliche Versorgung im Wittelsbacher und Dachauer Land ist - noch - gut. Mit alternden Ärzten und einer immer älter werdenden Bevölkerung könnte allerdings bald das Gegenteil der Fall sein. In beiden Landkreisen sind die ersten Auswirkungen des Ärztemangels bereits spürbar. Hausärzte finden keine Nachfolger und manche Praxen sind überfüllt. Betroffene hoffen auf die "Gesundheitsregion Plus". Sie soll medizinische Leistungserbringer miteinander vernetzen. In Dachau gibt es sie schon, im Wittelsbacher Land kommt sie im Laufe dieses Jahres.


Es gibt wohl kaum eine undurchsichtigere Branche als den Gesundheitssektor. Investoren aus Australien kaufen Labore in Deutschland auf, Krankenhäuser gründen Medizinische Versorgungszentren und verkaufen sie wiederum ebenfalls an Geldgeber. Ärzte arbeiten darin - wie in Krankenhäusern - als Angestellte, mit den Vorzügen geregelter Arbeitszeiten und gesteigerter Flexibilität.
Die haben die meisten selbstständigen Allgemeinmediziner nicht von Haus aus. Und einen Kurzurlaub einzuschieben, ist nicht einfach. Elena Sturm führt zusammen mit ihrem Mann Dr. Raphael Sturm die Kinderarztpraxis in Affing. Kürzlich wurde bekannt, dass die Praxis keine neuen Patienten mehr aufnimmt. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Elena Sturm: "Täglich kommen um die 80 Leute, vier werden parallel behandelt." Mehr gehe einfach nicht. Zwar versuche Sturm, einigen Eltern von Patienten, die "wegen eines kleinen Schnupfens" zum Arzt gehen, ins Gewissen zu reden und von unnötigen Besuchen abzuraten - dennoch sei die Praxis maßlos überfüllt.
Um allerdings noch einen Arzt einzustellen, müsste sie vergrößert werden. Das will Sturm nicht. Ein weiterer eigenständiger Kinderarzt im Landkreis Aichach-Friedberg "wäre uns am liebsten", erklärt Sturm. Der allerdings ist in der Bedarfsplanung des sogenannten Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) nicht vorgesehen. Der G-BA ist das Entscheidungsgremium, das hinter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) beziehungsweise der KBV, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, steht. Er legt fest, wo wie viele Ärzte welcher Fachrichtung praktizieren dürfen, nicht die KVB. Die muss lediglich die Beschlüsse des Ausschusses ausführen respektive deren Einhaltung kontrollieren. Der G-BA sitzt in Berlin und besteht aus 13 stimmberechtigten Mitgliedern, davon sind insgesamt fünf Krankenhausvertreter sowie Zahnärzte und Allgemeinärzte, die sogenannten "Leistungserbringer". Die übrigen Plätze besetzen Vertreter der Krankenkassen.
Die Planung dieses Ausschusses in Frage zu stellen, gleicht einem Kampf gegen Windmühlen, vor allem, weil viele - Mediziner sowie Politiker - zunächst die KVB kritisieren. "Die hat uns unmissverständlich klar gemacht, dass es keine Diskussion geben wird", erzählt Josef Schreier. Der Schiltberger Bürgermeister versucht seit 2015, einen Allgemeinarzt für die Gemeinde an der Weilach zu finden - vergeblich. Bis Juli 2018 betrieb dort die Inchenhofener Arztpraxis Kropp eine Zweigstelle. Seit Juli müssen die Schiltberger ihre Hausarztbesuche allerdings in Aichach oder Kühbach absolvieren, zur Not mit dem Taxi.
"Wir haben Zeitungsannoncen geschaltet und mehrere Tausend Euro ausgegeben, um einen neuen Arzt zu finden", erklärt Schreier. Lediglich zwei Interessenten hätten sich daraufhin bei der Gemeinde gemeldet, lehnten aber ab. Der Grund: Die Praxis muss als Zweigstelle betrieben werden - sprich: in Teilzeit. Das scheint sich für viele Mediziner nicht zu rentieren. Wünschenswert wäre eine Praxis in Schiltberg allerdings trotzdem. Das wird im Gespräch mit dem Bürgermeister mehr als deutlich. "Wir würden die Ärzte sogar hinsichtlich einer Immobilie unterstützen", meint Josef Schreier.
In einem Gespräch mit der KVB sei ihm aber erklärt worden, dass es eine für Mediziner rentablere Vollzeitpraxis in Schiltberg nicht geben wird. Die KVB betont indes, dass sie keinem Arzt die Niederlassung verbiete, der sich "konkret für die Übernahme der Praxisnachfolge" interessiert. Dafür sei der regional operierende und von der KVB unabhängige Zulassungsausschuss zuständig. Das erklärt KVB-Sprecherin Birgit Grain.
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Von Bastian Brummer


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Veröffentlicht am 22.01.2019 20:19 Uhr




 

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