Aichach    

Lamborghini liefern sich Autorennen auf der A 8

Aichach - Vier junge Männer fahren mit ihren Autos von München nach Augsburg, um sich mit anderen jungen Männern zu treffen. Klingt nicht sonderlich aufregend. Wenn dabei aber zwei Lamborghini, ein Ferrari und ein Porsche ins Spiel kommen, keines der Autos mit weniger als 550 PS, wird die Sache spannender. Oder - wie im vorliegenden Fall - potenziell gefährlich. Denn die beiden Lamborghini lieferten sich laut Aussage eines Polizeibeamten ein Autorennen auf der A 8 nahe der Anschlussstelle Dasing. Gestern wurden die beiden Fahrer vor dem Amtsgericht Aichach zu jeweils einer Geldstrafe von 4800 Euro und sechs Monaten Führerscheinentzug verurteilt.


Verletzt wurde bei dem Rennen, das sich am 31. Oktober des vergangenen Jahres ausgetragen wurde, niemand. Angezeigt wurde es von einem Münchener Polizeibeamten, der mit seinem Mercedes-Bus gegen 14 Uhr auf der linken Spur der Autobahn fuhr. Laut Aussage des Mannes wurde er direkt nacheinander von zwei Lamborghini rechts (!) überholt, wobei die Sportwagen "sehr schnell unterwegs waren". Anschließend, so der Beamte, hätten sich die beiden Sportwagen kreuz und quer auf der A 8 bewegt, sich gegenseitig überholt und dabei jede sich bietende Lücke ausgenutzt. Beide Autos hätten mehr als 200 km/h draufgehabt. "Es sah aus wie in einem Kinofilm, ich musste an Cannonball (Actionfilm von 1976, Anmerkung der Redaktion ) denken", gab der Mann zu Protokoll.
Die beiden Angeklagten aus München machten vor Gericht einen durchaus guten Eindruck. Der eine von ihnen ist amtierender Kickbox-Weltmeister und hat in der Hauptstadt einen Malerbetrieb, er ist 28 Jahre alt. Und er fuhr nach eigenen Angaben den "kleineren" Lamborghini, einen Lamborghini Gallardo mit "nur" zehn Zylindern.
In dem größeren italienischen Rennschlitten saß sein 29-jähriger Kumpel aus Freising: Sein Beruf: kaufmännischer Angestellter. Er fuhr in einem Lamborghini Murciélago mit zwölf Zylindern, derzeitiger Wert etwa 180 000 Euro. Unterwegs waren sie zusammen mit ihren beiden Freunden zu einem Autotreffen in Königsbrunn. Auf der Autobahn sei relativ wenig los gewesen, gaben sie übereinstimmend an. Tatsächlich war am 31. Oktober 2017 500. Jahrestag der Reformation. Sie hätten angeblich keine Eile gehabt, also waren sie nicht schneller als mit Tempo 200 unterwegs.
Dass sie den Zeugen in seinem Mercedes-Benz Viano ordnungswidrig rechts überholt hätten, räumten sie beide ein. Gaben aber auch zu bedenken, dass es sich bei dem Verkehrsteilnehmer offenbar um einen notorischen Linksfahrer gehandelt habe. Den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, sie hätten sich ein Rennen geliefert, stritten sie vehement ab. Als Begründung führten sie an, dass ihre Autos zu unterschiedlich seien - der eine 640 PS und zwölf Zylinder, der andere 600 PS und zehn Zylinder -, dass es den Vergleich nicht lohne, schon gar nicht auf einer vielbefahrenen Autobahn.
Amtsgerichtsdirektor Walter Hell wollte wissen, wie sie sich solche Edelkarossen überhaupt leisten können, die Wagen seien ja nicht billig. Der kaufmännische Angestellte aus Freising erklärte, das Unternehmen, für das er tätig sei, stelle ihm den Wagen als Firmenauto zur Verfügung - jederzeit. Der Kickbox-Weltmeister und Maler gab als Begründung an, er habe auf das Fahrzeug über einen Sponsor Zugriff.
Hätte sich der Vorfall vor dem 1. Oktober 2017 ereignet, wären die beiden jungen Männer wohl mit einer Geldbuße davongekommen. Mittlerweile werden Vergehen dieser Art aber nicht mehr als Ordnungswidrigkeiten geahndet, sondern gelten als verbotenes Kraftfahrzeugrennen.
Sosehr die Verteidiger der beiden Angeklagten auch versuchten, den Zeugen zu verunsichern bezüglich seiner Einschätzung der Geschwindigkeit und Entfernungen; Richter Walter Hell schenkte seiner Darstellung Glauben und verhängte gegen die Autoraser eine Geldstrafe von je 4800 Euro. Ihren Führerschein bekommen sie alsbald wieder. Denn bereits seit Anfang des Jahres durften sie nicht mehr fahren, womit der Führerschein-Entzug für die Dauer von sechs Monaten abgegolten ist.
Beide Fahrer zeigten sich einsichtig. Ihnen sei klar, dass ihre Fahrweise nicht in Ordnung war. Richter Walter Hell gab ihnen dennoch mit auf den Weg, sie sollten sich bewusst sein, dass immer etwas passieren könne.

Von Thomas Winter


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Veröffentlicht am 07.11.2018 23:00 Uhr




 

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