Aichach    

Al Capone vom Donaumoos: Film über Theo Berger im Freilichtkino

Aichach - Es ist das einzige filmische Dokument über Theo Berger. Er wurde 1941 in Ludwigsmoos im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen geboren und erlangte als Ein- und Ausbrecherkönig traurige Berühmtheit. Oliver Herbrichs autobiografisches Porträt "Der Al Capone vom Donaumoos" wurde 1985 gedreht, jetzt wurde es digitalisiert und wird wieder gezeigt: am Freitag, 24. August, im Aichacher Freiluftkino.

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Theo Berger saß fast sein ganzes Leben im Gefängnis. Seine kriminelle Laufbahn verzeichnet über 150 Straftaten, die er seit seinem 18. Lebensjahr begangen hat. Er wurde zu zweimal 15 Jahren und zweimal Sicherungsverwahrung verurteilt.
Ursprünglich wollte Oliver Herbrich den Inhaftierten Theo Berger in der JVA Straubing besuchen und filmisch porträtieren, erhielt dazu aber keine Drehgenehmigung. Über Bergers Anwalt bekam er schließlich eine Autobiografie, die Theo Berger im Gefängnis geschrieben hatte.
Der Film entstand 1985 während Bergers Haftverschonung, die er erhielt, nachdem er an Leukämie erkrankt war. "Eine Freiheit, die so keine war, wie sich bald herausstellte, denn er durfte weder arbeiten und Geld verdienen, noch konnte er sich vom Hof seiner Eltern wegbewegen, da ihm der Führerschein seit langem schon entzogen war. Ausgestattet mit 300 Mark Sozialhilfe und ohne jegliche psychologische oder sonstige Betreuung sollte sich Theo Berger nach jahrzehntelanger Haft auf einmal im Leben draußen zurechtfinden", berichtet Oliver Herbrich in seinen Produktionsnotizen. Die Vorbereitungs- und zweiwöchige Drehzeit im November 1985 war somit die einzige Gelegenheit für Berger, sich mit seiner Vergangenheit, aber auch Zukunft auseinanderzusetzen. "Mein Wunsch war es, Theo Berger zum Co-Autor zu machen und ihn seine Geschichte bewusst subjektiv erzählen zu lassen", erklärt der Regisseur.
Die Dreharbeiten fanden im November 1985 im Donaumoos statt - in dieser Zeit wohnte das Filmteam in Aichach - und danach in München. Gedreht wurde im alten Berger Hof in Ludwigsmoos (nach dem Tod der Eltern abgerissen), in einer Arztpraxis in Schrobenhausen, in der Berger behandelt worden war, in der Wohnung des Polizeihauptmeisters Paulus in Schrobenhausen, der Berger im April 1969 verhaftet hatte, an der Volksbank in Pöttmes, vor der Berger sowie die damalige Bankangestellte über einen Banküberfall berichten, in der Wohnung seiner Tochter in Neuburg, in der der Kirche und am Friedhof in Ludwigsmoos. In München drehte das Team um Oliver Herbrich im Türkendolch-Kino in Schwabing, in der Anwaltspraxis von Frank Niepel (Bergers damaligem Verteidiger) und rund um den Hauptbahnhof. Drehschluss war Ende Januar 1986.
Schon kurz nach Ende der Dreharbeiten wurde Theo Berger wieder festgenommen und wegen der Beteiligung an der Planung zu einem Banküberfall zu weiteren zwölf Jahren verurteilt. 2003 setzte er seinem Leben im Alter von 62 Jahren nach insgesamt 39 Jahren Haft selbst ein Ende. So bleibt Oliver Herbrich Dokumentation das einzige filmische Zeugnis über den Ein- und Ausbrecherkönig.
"Die Idee war von Anfang an, eine Dokumentation aus seiner Sicht zu machen, da es bereits mehr als genug ihn vereinnahmende Berichterstattungen gab. Vor allem über den Mythos Berger als glamouröser Bandenchef, Al Capone oder Rebell im Sinne der 68er-Generation", stellt Herbrich klar. Als Gegenpart kommen ehemalige Opfer und Kontrahenten, aber auch ein Rechtsanwalt und Pfarrer sowie Familienangehörige zu Wort.

"Der Al Capone vom Donaumoos" wird im Aichacher Freiluftkino am Freitag, 24. August gezeigt. Um circa 19.30 Uhr stellt Drehbuchautor und Regisseur Oliver Herbrich sein Werk persönlich vor, nach dem Film können die Besucher auch noch mit ihm ins Gespräch kommen. Ab etwa 20.30 Uhr wird der Film gezeigt.
Von Nayra Weber
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Veröffentlicht am 21.08.2018 12:27 Uhr




 

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