Aichach    

Apotheke des Wildes

Aichach - Es brummt und summt im Wittelsbacher und Dachauer Land. Immer mehr Landwirte säen Blühstreifen am Rand eintöniger Maisäcker an. Das wertet die Landschaft nicht nur optisch auf, sondern hilft auch zahlreichen Insekten und kleineren Wildtieren. Darüber hinaus erhalten auch die Jäger somit lange geforderte Schneisen für die Wildschweinjagd. Geänderte Gesetze verhindern überbordende Bürokratie, und Blühstreifen werden zum Dauerbrenner. Den Erhalt der Artenvielfalt garantieren die häufig einjährigen Blühstreifen zwar nicht, ein guter Anfang sind sie allerdings trotzdem.

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"Blühende Rahmen", "Blühende Ränder", und "Alles summt". Derartige Namen trugen die vielzähligen Aktionen diverser Vereine in diesem Frühjahr. Der Bayerische Bauernverband (BBV), Imkervereine, Gartenbau- oder Ortsverschönerungsvereine - alle verfolgten heuer ein gemeinsames Ziel: das Insektensterben und den damit verbundenen Rückgang vieler Arten verhindern.
Die "ausgeräumte Landschaft", von der diverse Naturschützer oft sprechen, wollten sie beleben. Die Folge: Überall im Wittelsbacher und Dachauer Land erblühen derzeit Wiesen, Waldlichtungen und besonders Randstreifen an Maisfeldern. "Das hilft allen", ist Paul Berchtenbreiter überzeugt. Der Vorsitzende des Jagdschutz- und Jägerverbands Aichach-Friedberg sieht eine Veränderung in der Landschaft. Seit Jahren fordern die Jäger Bejagungsschneisen in den hohen Maisfeldern. Die Jagd auf Wildschweine soll somit erleichtert werden. "Schneisen sind immer noch spärlich gestreut", sagt er. Doch besonders Blühflächen zwischen Waldrändern und Maisfeldern werden häufiger. Die dort wachsenden Kräuter bilden in Berchtenbreiters Augen eine "Apotheke fürs Wild", und erleichtern die Hege. So entsteht ein gerngesehenes "wildes Durcheinander". Sowohl in der Landschaft als auch auf dem Papier.
"Hier den Überblick zu behalten, ist schwierig", sagt Konrad Hörl, Bereichsleiter Landwirtschaft am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Augsburg. Seine Kollegen und er befassen sich mit Fördermöglichkeiten für Blühstreifen und -flächen. Im Landwirtschaftsamt funktioniert das über das "Kulap", das Kulturlandschaftsprogramm. Wer Geld für die Anlage von Blühstreifen oder -flächen erhalten möchte, muss aber klaren Regeln folgen.
"In den Kulap-geförderten Flächen wird großer Wert auf das Saatgut gelegt", sagt Hörl. Großer Wert bedeutet: Das Saatgut soll autochton, also bodenständig und alteingesessen, sein, gewonnen aus seit Generationen heimischen Wildkräutern.
Genetisch sind sie am besten an die regionalen Gegebenheiten angepasst. Um dafür Sorge zu tragen, beschäftigt sich die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising mit der Zusammensetzung einer sogenannten "Qualitätsblühmischung".
Sie wurde in diesem Jahr auf den rund 35 Hektar Kulap-geförderten Flächen im Landkreis Aichach-Friedberg ausgebracht. Davon sind 30,5 Hektar mehrjährige, dauerhafte Blühflächen. Sie enthalten im Regelfall lediglich heimische Arten. Von den einjährigen Flächen, zu denen auch die Blühstreifen an den Maisfeldern gehören, wurden nur 4,8 Hektar über das Kulap gefördert. Denn die Förderung ist nicht verpflichtend. Im vergangenen Jahr änderte das Landwirtschaftsministerium eine Vorschrift, die das Anlegen von Blühstreifen an Maisfeldern lange zum ungemütlichen Mehraufwand werden ließ. Jeder Streifen am Rand eines Feldes musste ausgemessen und auf den Quadratmeter genau an die Ämter übermittelt werden.
Auch Landwirte, die gerne mehr für den Artenschutz getan hätten, verloren so oft schnell die Lust daran. "Inzwischen genügt es, die Gesamtfläche anzugeben", erklärt Reinhard Herb, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands im Landkreis Aichach-Friedberg. Also: Ein Hektar Mais wird nicht zu 9567 Quadratmetern Mais und 433 Quadratmetern Blühstreifen, sondern bleibt ein Hektar Mais mit Blühstreifen.
Von Bastian Brummer


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Veröffentlicht am 17.08.2018 23:00 Uhr




 

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