Aichach    

Geht "bisschen Bürgermeister"?

Aichach - "In Gemeinden bis zu 5000 Einwohnern ist der Erste Bürgermeister Ehrenbeamter, wenn nicht der Gemeinderat spätestens am 90. Tag vor einer Bürgermeisterwahl durch Satzung bestimmt, dass der Erste Bürgermeister Beamter auf Zeit sein soll." Dieser Satz, der in der Bayerischen Gemeindeordnung zu lesen ist, gewinnt vor den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Aichach-Friedberg einmal mehr an Aktualität. Der ehrenamtliche Bürgermeister von Hollenbach, Xaver Ziegler, bringt das Thema aufs Tapet: "Ich will wissen, woran ich bin." Auch Schiltbergs Bürgermeister Josef Schreier will die Möglichkeit eines hauptamtlichen Bürgermeisters zumindest "diskutieren". Genau das könnte auch in Obergriesbach und Sielenbach anstehen, denn Josef Schwegler und Martin Echter haben schon bekannt gegeben, dass sie aufhören werden. Wieder einmal steht eine Grundsatzentscheidung an: Ist ein ehrenamtlicher Bürgermeister noch zeitgemäß oder sollen kleinere Gemeinden künftig auf Hauptamtlichkeit setzen?

Keine zwei Jahre ist es her, dass sich genau darüber die Gemeinden Hilgertshausen-Tandern und Petersdorf die Köpfe zerbrochen haben. Beide entschieden sich letztendlich für den berufsmäßigen Bürgermeister. Petersdorf zählt rund 1700 Einwohner, Hilgertshausen-Tandern etwa 3500. Genau dazwischen liegen die Gemeinden Hollenbach (circa 2500 Einwohner) und Schiltberg (ungefähr 2000 Bürger).
Die beiden neuen Hauptamtlichen resümieren: "Die Aufgaben sind so umfänglich, dass die Entscheidung für das Hauptamt eindeutig eine gute war", sagt Markus Hertlein (Hilgertshausen-Tandern), und sein Petersdorfer Kollege Dietrich Binder: "Die Aufgaben in kleinen Gemeinden sind sehr, sehr komplex - Bürgermeister nebenbei ist kaum noch zu leisten."
Das spiegelt sich auch in Zahlen des Statistischen Bundesamts wider, die Hans-Peter Mayer, Referatsleiter beim Bayerischen Gemeindetag, nennt. Das Verhältnis nebenamtliche zu berufsmäßige Bürgermeister kippe gerade bei Gemeinden in der Größenordnung zwischen 2000 und 3000 Einwohnern. Derzeit gebe es bayernweit in jenen Kommunen 166 ehrenamtliche und 188 berufsmäßige Bürgermeister. Mayer weiß: "Der Druck ist immens." Wolle ein Bürgermeister Weichen stellen für die Zukunft, für Fortschritt sorgen, den Ort gestalten, dann werde es nebenbei schwierig. Die meisten Ehrenamtlichen arbeiten ihm zufolge "im Grunde wie Hauptamtler".
Das ist beim Hollenbacher Bürgermeister Xaver Ziegler (fast) der Fall. Derzeit ist er (noch bis Dezember 2019) in Elternzeit. Aufgrund dessen arbeitet er immer dienstags acht Stunden in seinem Job als Beamter in der JVA Neuburg-Herrenwörth. Um diesen, seinen eigentlichen Beruf, bastelt der zweifache Familienvater seine Aufgaben als ehrenamtlicher Bürgermeister. "Manchmal komme ich dabei an meine Grenzen", gibt er zu. Bürgermeister, das sei sein "absoluter Traumjob", weitermachen will er, nur: "Ich brauche eine verlässliche arbeitsrechtliche Lösung." Und genau deshalb will er jetzt die Diskussion anschieben - frühzeitig und allen gegenüber offen und transparent, betont er. Eine Entscheidung über Haupt- oder Ehrenamt solle noch in diesem Jahr fallen. Denn: "Ich will da niemanden kurz vor der Wahl reinhetzen", meint er. In einer Demokratie gebe es dann Mittel und Wege, die Entscheidung des Gemeinderats in Frage zu stellen. Der 35-Jährige gibt zu: "Ich bin ein wenig aufgeregt. Für mich bedeutet diese Entscheidung womöglich einen Schritt in eine neue berufliche Zukunft." Nach vier Jahren als Hollenbachs Bürgermeister kann er sagen: "Um allen Aufgaben und meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, ist ein hauptamtlicher Bürgermeister notwendig."
In der vergangenen Zeit hat sich in Hollenbach einiges getan. Ziegler setzt auf Bürgernähe, er will stets ein offenes Ohr haben, "die Leute sollen zu mir kommen," sagt er. Das alles braucht Zeit.

Von Ines Speck


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Veröffentlicht am 10.08.2018 23:00 Uhr




 

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