Aichach    

Kahlschlag durch Kürzung?

Aichach-Friedberg/Dachau – Überraschung und Verunsicherung herrscht derzeit in der Solarbranche. Der Umfang der vom Bundesumweltministerium geplanten Senkung der Einspeisevergütung sorgt für Auftragsrückgänge bei Elektro-Installateuren, für verwirrte Kunden und wenig Planungssicherheit bei den Unternehmen, auch im Aichacher und Dachauer Land.

„Als Umweltminister Röttgen am 14. Januar die geplante Änderung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) bekannt gab, gingen in unserem Betrieb mehr als 100 Anrufe verunsicherter Kunden ein – allein an diesem Tag“, berichtet Christine Reisinger aus der Geschäftsleitung von Reisinger Sonnenstrom in Egenhofen.
Klar: Die Finanzierung einer Fotovoltaikanlage basiert auf der fest zugesagten auf 20 Jahre fixierten Einspeisevergütung. Ändert sich dieser Parameter, stimmt die Kalkulation nicht mehr, wird die Investition vielleicht sogar uninteressant. Das ist letztlich auch der politische Wille. Vor allem der Run auf großflächige Freiflächenfotovoltaikanlagen ist derzeit in der Diskussion.
Das Unternehmen bei Odelzhausen zählt zu den fünf größten Installationsbetrieben für Fotovoltaikanlagen in Bayern und beschäftigt derzeit 25 Mitarbeiter. „Geplante Investitionen und Personaleinstellungen liegen erst einmal auf Eis“, sagt Reisinger. Denn für die nachhaltige Entwicklung des mittelständischen Betriebs – die Sicherung bestehender Arbeitsplätze sowie die Einstellung neuer Fachkräfte – brauche es Planungssicherheit, die dem Betrieb und der Solarbranche kurzerhand entzogen werde. Solche Befürchtungen teilt auch Edwin Schraufstetter, Elektro-Installateur aus Obermauerbach: „Über kurz oder lang wird unser Geschäft einbrechen. Vielleicht gibt es vorher noch einen Boom – verbunden mit Lieferengpässen –, aber dann droht möglicherweise der Einbruch.“
Eine Fotovoltaikanlage beansprucht bei den meisten Kunden eine Planungsphase von bis zu sechs Monaten, schließlich muss so eine Anlage auch angemeldet, finanziert und montiert werden. Die plötzliche Kürzung der Vergütung ist eine kleine Katastrophe für die Kunden, hinter der Investition steht plötzlich ein dickes Fragezeichen. Viele Verträge wurden bereits zum Ende des vergangenen Jahres geschlossen – auf Grundlage des ursprünglich geltenden Vergütungssatzes. Allein im Unternehmen Sonnenstrom seien mit der Ankündigung aus dem Umweltministerium auf einen Schlag Angebote in Höhe von insgesamt zwölf Millionen Euro hinfällig. Dem Betrieb sei dadurch bereits jetzt ein betriebswirtschaftlicher Schaden von rund 125 000 Euro entstanden.
Wegen der winterlichen Witterungsverhältnisse und möglicher Engpässe in der Materialbeschaffung könne zum jetzigen Zeitpunkt niemand mit absoluter Sicherheit sagen, wie viele Anlagen noch rechtzeitig vor dem Stichtag installiert werden können. Kunden und Unternehmer mit der plötzlichen Änderung derart unter Druck zu setzen, findet Christine Reisinger „unverantwortlich“.
In die gleiche Kerbe schlägt Franz Flunk, Geschäftsführer des gleichnamigen Familienunternehmens aus Kühbach: „Wenn die Anlage dann zum Stichtag nicht fertig wird, sind wir die Bösen. Die Änderung, wie sie vorgesehen ist, ist viel zu kurzfristig. Ich muss meinen Kunden ja fast sagen: ,Es gibt nichts mehr.’ Das ist das totale Chaos. Manche Kunden springen aufgrund der Ankündigung ab oder warten lieber erst mal, was passiert.“
Auch für Hersteller und Zulieferer sieht Hartmut Haverland vom Modulhersteller Mitsubishi, der kürzlich zusammen mit Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt in Egenhofen im Landkreis Dachau zu Besuch war, eine Gefahr: „Von einer vorschnellen Reduzierung der Einspeisevergütung würden hauptsächlich chinesische Hersteller profitieren. Sie werden massiv vom Staat unterstützt und haben so einen klaren Wettbewerbsvorteil im verschärften Preiskampf.“ Noch halten deutsche Solarunternehmen in Sachen Technologie weltweit einen Spitzenplatz. Im internationalen Wettbewerb konkurrieren sie vor allem mit Produkten made in China.
„Die Pläne für die Gesetzesänderung kamen schnell, meines Erachtens zu schnell“, räumt Gerda Hasselfeldt ein. Politisch bestehe jedoch akuter Handlungsbedarf. Laut der Bundestagsvizepräsidentin sei die sinnvollere Lösung eine automatische Anpassung der Einspeisevergütung abhängig vom jährlichen Zubau. „Das passt besser zur Marktwirtschaft“, findet die CSU-Politikerin. Der 1. April als Stichtag für die Änderung sei nach Hasselfeldts Auffassung „nicht zu halten“.

Von Ines Koreck


Veröffentlicht am 08.02.2010 16:35 Uhr


 

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