„Anliegen der Schüler ernst nehmen“
Aichach (roe) Q11-Schüler gehen auf die Straße: Am kommenden Freitag sind in Bayern – unter anderem in München und Augsburg – Demonstrationen geplant. Die erste Generation des achtstufigen Gymnasiums (G8) – inzwischen in der elften Klasse angelangt – macht unter dem Motto „Q11 Bildungsstreik“ Front gegen die ihrer Meinung nach zu hohe Belastung und die enorme Stofffülle. Eine Demo während des Unterrichts?
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Allein die Ankündigung des Streiks sorgt in vielen Gymnasien für Machtproben. Während die Schüler ein Recht auf Meinungsäußerung einfordern, pochen Direktoren auf die Schulpflicht und drohen mit Sanktionen. Im Einzugsgebiet unserer Zeitung gehen die Meinungen auseinander. Kein Verständnis für ein unerlaubtes Fernbleiben vom Unterricht hat Dr. Günther Pölsterl, Rektor des Gymnasiums in Markt Indersdorf. Im laufenden Schuljahr habe es bereits zwei Mal Demonstrationen gegeben. „Irgendwann muss Schluss sein“, so Pölsterl, der sich im Falle des Falles etwas einfallen lassen wolle. Was, das sagt er nicht. Gar nicht äußern zu diesem Thema wollte sich Dr. Bernhard Gruber, Leiter des Friedberger Wernher-von-Braun-Gymnasiums. „Kein Kommentar zu diesem Thema“, hieß es gestern im Sekretariat.
Verständnis für die Sorgen der Schüler hat indes Gerhard Haunschild, Schulleiter am Deutschherren-Gymnasium in Aichach. Man könne zwar nicht die Schulordnung aushebeln, allerdings werde er im Bedarfsfall flexibel reagieren. Ihm sei das Gespräch mit den Schülern wichtig, deren Anliegen man ernst nehmen müsse. Es sei nun mal eine Tatsache, dass die Stundenzahl sehr hoch ist. Haunschild setzt den Hebel an anderer Stelle an. Erst kürzlich erhob er das Wort beim Besuch von Kultusminister Ludwig Spaenle in Inchenhofen, und auch nächste Woche will er seine Kritik anbringen. Im Rahmen einer Dienstbesprechung in Augsburg wird Haunschild gemeinsam mit dem Elternbeirat erneut auf Spaenle treffen. Die Forderung des Schulleiters: mehr Lehrer. Er sei empört, was die Einstellungssituation betreffe. Junge, überaus qualifizierte Kollegen, stehen auf der Straße, während in den Schulen dringend Personal gebraucht wird. Ziel müsse sein, die Gruppenstärken in der Oberstufe auf maximal 15 bis 20 Schüler zu reduzieren. Das würde seiner Meinung nach viel Luft aus der hitzigen Diskussion nehmen – und die Debatte um Schülerdemos vielleicht sogar überflüssig machen.
Veröffentlicht am 09.02.2010 14:59 Uhr
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