Aichach    

Die fünffache Elektra: Begeisterndes Theater am Deutschherren-Gymnasium

Aichach - Unter der Leitung und Regie von Silke Frauenholz-Funk hat der gemeinsame Kurs der Q11 und Q12 im Fach Dramatisch Gestalten am Deutschherren-Gymnasium Aichach am Samstag und Sonntag das Theaterstück "Elektra" nach Sophokles in der leicht abgewandelten Form von Theresa Sperling aufgeführt.

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Das klassische Stück, welches Teil der griechischen Mythologie im Rahmen der Odyssee ist, wurde um 410 vor Christus von Sophokles ins Theater gebracht. Seither haben einige Autoren das Thema neu aufgearbeitet. Der gravierendste Unterschied zu den antiken Fassungen im Vergleich zur Fassung von 2015 von Theresa Sperling besteht darin, dass Elektra, die Hauptperson, Tochter des Königs Agamemnon (dargestellt von Johann Köberlein) und der Klytämnestra (Lioba Dietrich), welche den Mord an ihrem Vater durch ihre Mutter und deren Geliebtem Ägisth (Martin Wagner) rächen möchte, an ihrer Trauer und den Rachegelüsten fast zerbricht. Das wird eindrucksvoll dargestellt, indem die Figur der Elektra von fünf verschiedenen Schauspielerinnen verkörpert wird.
Auf diese Art gelingt es hervorragend, zu zeigen, wie gespalten die Gefühle der jungen Frau sind. Der Zuschauer kann gebannt beobachten, wie sie im inneren Zwiespalt mit sich selbst zwischen Trauer um den ermordeten Vater, Wut um den Verrat der Mutter, Verwirrung um ihre eigenen Gefühle, Angst vor ihren Racheplänen und Sorge um ihre kleine Schwester Chrysothemis (herausragend gespielt von Helena Kirr) mit sich selbst ringt.
Elektra wird von Salome Higl, Lea Aidelsburger, Sarah Gold, Rachel Weiske und Jennifer Brindl verkörpert. Jede der fünf jungen Schauspielerinnen schafft es auf ihre Art, der Elektra eine ganz eigene Facette zu verleihen. Es ist für das Publikum äußerst spannend zu verfolgen, wie sich Elektra immer tiefer in sich selbst und den schleichenden Wahnsinn verliert.
Diese Entwicklung wird anschaulich verdeutlicht durch ausgefeilte Lichteffekte, die das minimalistische Bühnenbild aus griechischen Säulen wunderbar in Szene setzen, dazu einzelne musikalische Einlagen.
Für einen Überraschungseffekt sorgt eine Schwarzlicht-Einlage, bei der die fünf Elektras plötzlich dank ihrer Körperbemalung in verschiedenen Farben aufleuchten. Am Höhepunkt des Stücks rächt Elektra schließlich den Mord an ihrem Vater und tötet ihre Mutter Klytämnestra mit eigenen Händen. Jedoch bringt ihr das nicht die gewünschte Befreiung von ihren Gefühlen, sondern eine innerliche Leere. Der Wahnsinn ist schon zu sehr Teil von ihr.
Man konnte den jungen Schauspielern ansehen, mit wie viel Herzblut sie bei ihrem Projekt waren. Schließlich hatten sie die vergangenen Monate jeden Sonntag drei Stunden ihrer Freizeit investiert, um das Stück auf die Beine zu stellen. Das Publikum zeigte bei minutenlangem Applaus seine Begeisterung. Zu Recht. Rache für den Mord am Vater

Von Alice Lauria
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Veröffentlicht am 20.03.2018 23:00 Uhr




 

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