Aichach    

"Opa hat gesagt, Hitler wäre ein netter Herr"

Augsburg - Rechtradikales Gedankengut verbreiteten zwei Männer. Dafür mussten sie sich gestern vor einem Jugendschöffengericht am Augsburger Amtsgericht verantworten. Ein 20-Jähriger Gartenbauer kam mit einem blauen Auge davon. Das Gericht unter Vorsitz von Ortrun Jelinek verurteilte ihn zu einer Geldstrafe in Höhe von 400 Euro. Außerdem muss er an fünf Beratungsgesprächen zum Thema "Demokratie und Toleranz" teilnehmen.


Weitaus härter traf es einen 32-jährigen Logistiker. Er ist mehrfach einschlägig vorbestraft, außerdem wurde in seiner Wohnung ein ganzes Waffen- und Munitionslager sichergestellt. Bewährung kam daher nicht mehr in Betracht. Das Gericht schickt ihn für ein Jahr und sechs Monate hinter Gitter.
Auf der Anklagebank würdigten sich die ehemaligen Kumpels keines Blickes. Jeder stierte nur vor sich hin. Beide zeigten allerdings Reue und legten ein umfassendes Geständnis ab. Alles andere wäre auch zwecklos gewesen, denn "die Beweislage ist wasserdicht", betonte die Richterin. Der 20-Jährige, den Staatsanwalt Sebastian Konrad eher als Mitläufer bezeichnete, gründete eine Whats-App-Gruppe mit dem Namen "SHAH". Das ist die Abkürzung für "Sieg Heil Adolf Hitler". In dem Chat wurden zwischen März 2016 und Oktober 2016 fleißig Hitler-Bilder verschickt. Auch Wehrmachtssoldaten mit Hitlergruß und Fahnen mit Hakenkreuzen machten die Runde. Besonders perfide ein Foto, das vier Personen zeigt, die an einem Autokran aufgehängt wurden. Beschriftetet war das Bild mit "Bungee-Jumping in Saudi-Arabien". In der rechten unteren Ecke des Bildes ist eine IS-Flagge abgebildet. "Warum haben Sie das gemacht", wollte Ortrun Jelinek vom Angeklagten wissen. Der wusste nicht genau, wie er auf "die glorreiche Idee" kam. "Ich hatte Probleme und wenig Freunde. Ich wollte nur eine Freundschaftsgruppe bilden", war sein Erklärungsversuch. "Wie schlimm das eigentlich war, wusste ich erst, als die Polizei kam." Viel hätte man im Chat nicht geredet. "Treffen ausgemacht und ein wenig politisiert." Dabei sei es in erster Linie um Flüchtlinge gegangen. "Die dürfen zu uns rein und bekommen viel Geld." Das habe er damals nicht für gut empfunden. Zwischenzeitlich habe sich seine Meinung jedoch geändert. "Ich bin jetzt dafür, dass wir anderen Menschen helfen", betonte er. Gericht und Staatsanwalt nahmen ihm ab, dass er sich von seinen ehemaligen Freunden distanziert hat.
Über die Whats-App-Gruppe kam die Kripo, genauer gesagt der Operative Staatsschutz, dem zweiten Angeklagten auf die Schliche. Ein weitaus dickerer Fisch, wie sich herausstellte. Bei der Wohnungsdurchsuchung des 32-Jährigen staunten die Beamten nicht schlecht. Schlagringe, Revolver, Pistolen, Pulverkartuschen, doppelläufige Gewehre, Schwerter, Klappmesser, Kanonenschläge, jede Menge Munition und dergleichen mehr wurde bei ihm sichergestellt.Von Alfred Haas


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Veröffentlicht am 29.06.2018 00:00 Uhr




 

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