Aichach    

Geheimnisvoller Unbekannter

Aichach - Wer ist der geheimnisvolle Unbekannte, der auf Name und Adresse eines 22-Jährigen aus dem Landkreis zehn Gramm Amphetamine bestellt und bezahlt haben soll? Nicht einmal der Angeklagte konnte sich vorstellen, wer so etwas tun würde. Amtsgerichtsdirektor Walter Hell erschien es völlig lebensfremd. Deshalb verurteilte er den mehrfach vorbestraften jungen Mann zu 1600 Euro Geldstrafe wegen versuchten unerlaubten Drogenerwerbs.


Der Angeklagte, der derzeit sein Abitur nachmacht, gab sich zunächst außergewöhnlich selbstbewusst. Kaum hatte er Platz genommen, legte er los. Er sehe kein Betäubungsmitteldelikt, und überhaupt, "was ist das denn für eine Sprache!", beschwerte er sich über das Juristendeutsch in der Anklageschrift, die Staatsanwältin Andrea Kovacs verlas. "Ohne dass ich etwas gemacht habe, wird mir hier etwas angehängt, also so geht es nicht, da stelle ich mich quer!", fuhr er fort. Richter Hell hörte sich die Tiraden eine Weile an und fragte dann: "Wann haben Sie denn zuletzt Drogen genommen?" Das sei Jahre her, behauptete der 22-Jährige. Er stand mit 15 Jahren zum ersten Mal vor Gericht. Damals besuchte er noch ein Gymnasium und wurde wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. "Wie sich das anhört!", lamentierte er. "Als hätte ich einen tot geprügelt!" Auch ein Verkehrsdelikt und mehr als ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz stehen in seinem Registerauszug. Er meinte, auch zuletzt sei er zu Unrecht verurteilt worden, habe sich vor Gericht einfach nicht genug gegen die falschen Anschuldigungen gewehrt.
Ein Polizeibeamter aus Dortmund legte dar, wie es zu den aktuellen Ermittlungen gegen den jungen Mann gekommen war. So fielen dem Sicherheitsdienst der Post im vergangenen Jahr zahlreiche Sendungen auf, die alle ähnlich etikettiert waren. Eine Überprüfung ergab, dass da, wohl von Singapur aus, Drogen im großen Stil verschickt wurden. Darunter die zehn Gramm Amphetamine an den Angeklagten, weshalb er am Ende verurteilt wurde. "Wie können Sie jemanden verurteilen ohne Beweise?", fiel er dem Richter ins Wort. "Ihre Adresse steht sicher auch irgendwo."

Von Monika Grunert Glas


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Veröffentlicht am 05.06.2018 00:00 Uhr




 

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