Aichach    

Kein Fantasiewesen am Steuer

Aichach - "Blutüberströmt, verwirrt und orientierungslos" soll der Angeklagte aus Sielenbach in der Nacht von Karfreitag auf Ostersamstag vergangenen Jahres gewesen sein, als ihn zwei Polizeibeamte aufgriffen. Er befand sich etwa drei Kilometer von seinem Auto entfernt auf einer Wiese. Bei einer Blutentnahme im Krankenhaus stellten die Ärzte einen Alkoholgehalt von 1,28 Promille fest. Der Sielenbacher hatte sich daher gestern wegen fahrlässiger Trunkenheit am Steuer vor dem Aichacher Amtsgericht zu verantworten.


Obwohl dem Gericht einschlägige Beweise fehlten, wie Verteidiger Burkhard Brießmann in seinem Plädoyer mehrfach betonte, wurde der Sielenbacher der Straftat letztlich für schuldig befunden. Die Indizien, auf die sich sowohl Staatsanwältin Andrea Kovacs als auch Richterin Andrea Herman stützen mussten, ergäben ein "stimmiges Bild", wie die Richterin erklärte.
Der Angeklagte, dessen Fahrzeug am frühen Morgen des Karsamstags gegen 4 Uhr im Straßengraben bei Adelzhausen entdeckt worden war, beteuerte lediglich, dass er sich an nichts erinnern könne, jedoch noch nie alkoholisiert Auto gefahren sei. "Das war dieses Mal sicher auch nicht so", schloss er. Auf frischer Tat, also betrunken in seinem Unfallfahrzeug, hatte die Polizei ihn tatsächlich nicht finden können, die wenig vorher von einem unbeteiligten Autofahrer auf das Unglück hingewiesen worden war. Auch von einem potenziellen weiteren Fahrer habe es, laut Angaben der als Zeugen geladenen Polizisten, keine Spur gegeben.
Als Halter des Unfallfahrzeugs wurde er allerdings schnell ausgemacht und als vermisst gemeldet. Seine Lebensgefährtin, bei der er laut eigenen Angaben viel Zeit verbringt, wurde kontaktiert und nach seinem Verbleib gefragt. Die Behörden schlossen nicht aus, dass sie ihren Freund bei sich zu Hause verstecken könnte. Dem war nicht so, wie die Polizisten erklärten. Einer von ihnen meinte, die Lebensgefährtin sei sichtlich und hörbar besorgt gewesen.
Wo ihr Freund letztlich steckte, wusste sie nicht, obwohl sie gestern angab, noch am Abend des Karfreitags mit ihm in Sielenbach zum Steckerlfischessen gewesen zu sein. Die beiden sind mit zwei Autos unterwegs gewesen. Die Lebensgefährtin fuhr früher, sodass sie nicht wusste, was ihrem Freund zugestoßen war. Der hatte sich zu Fuß und auf eigene Faust vom Unfallort entfernt und wurde etwa drei Kilometer weiter von der Polizei gefunden. "Er hatte Glasscherben im Gesicht, war blutüberströmt und wirkte orientierungslos", sagte ein beteiligter Polizist aus.
Für das Gericht bestand gestern kein Zweifel daran, dass der Angeklagte unter Alkoholeinfluss am Steuer gesessen und verunglückt ist, auch wenn er nicht in flagranti erwischt wurde. Richterin Herman glaubte jedenfalls nicht an ein "Fantasiewesen", das anstelle des Angeklagten am Steuer gesessen sein könnte. 
Letztlich wurde er zu 60 Tagessätzen zu je 60 Euro verurteilt. Sein Führerschein wurde vor fast einem halben Jahr eingezogen.
Das wird nun auch weitere vier Monate so bleiben.

Von Bastian Brummer


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Veröffentlicht am 01.05.2018 00:00 Uhr




 

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