Aichach    

Dramatischer Situationsbericht aus Gomel

Heimpersdorf - Die Jahreshauptversammlung der "Hilfe für Kinder aus Tschernobyl, Region Nordschwaben" forderte ihre Besucher auch heuer schwer emotional. Am Ende berichteten Oleg Maksimovich und Elena Batrakova anhand persönlicher Erlebnisse, was die Menschen in ihrer Heimat Weißrussland bewegt. Da liegen Kinder auf der Krebsstation, die seit zwei Monaten vergeblich auf die lebensrettende Knochenmarkspende warten, nur weil die entsprechende Nadel fehlt.

"Dabei ist diese Station eine der besten, die es in Gomel gibt", sagte Maksimovich. Ein anderes Beispiel sind die maroden Straßen: "Da habe ich als Mann Schwierigkeiten mit dem Kinderwagen durch die Schlaglöcher und Riesenpfützen zu kommen." Eine Frau habe im erzählt, sie sei eine Woche unterwegs gewesen, nur um die notwendigen behördlichen Stempel und Unterschriften für die Beihilfe zur Kindernahrung zu bekommen, so Oleg über Bürokratismus in Weißrussland.
Elena Batrakova ist Oma geworden. Ihr Enkelkind ist leider behindert zur Welt gekommen. Was dann passierte, ist unvorstellbar. Elena berichtete, ihre Tochter sei massiv dazu gedrängt worden, ihr Kind einfach in der Klinik zurückzulassen. "Jetzt weiß ich, warum es in Weißrussland offiziell so gut wie keine Behinderten gibt. Und noch etwas fehlt der weißrussischen Gesellschaft: "Es ist mir schon klar, warum wir so wenig Leute über 60 Jahre haben. Die kriegen 160 Euro pro Monat und allein die Miete frisst schon 100 Euro", klagte Oleg Maksimovich.
"Die Hilfe für Kinder aus Tschernobyl" greift den Familien mit Kinder-Patenschaften, mit Hilfstransporten und mit persönlicher Präsenz unter die Arme. Immer wieder wird die gerechte Verteilung der gespendeten Güter in Weißrussland zum Problem, berichtete nicht nur die Vorsitzende Heidi Bentele. Heidi Gratwohl aus Schwenningen managt seit Jahren die Hilfstransporte nach Gomel. Sie erklärte, warum die Menschen drüben so sind: "Alle leben zu nah am Existenzminimum, um nicht zuerst an sich und die ihren zu denken. Darum ist es so schwierig, verlässliche Leute zu finden." Oleg Maksimovich kennt das Dilemma und bekennt: "Da möchte ich aber keinem Weißrussen persönlich die Schuld geben."


Von Martin Golling


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Veröffentlicht am 13.11.2017 23:00 Uhr




 

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