Aichach    

"Einmal Bengal, immer Bengal": Katze mit Leopardenfell

Griesbeckerzell - "Ein Leben ohne Katze ist möglich, aber sinnlos", steht an der Eingangstür von Samantha Teufel und Thomas Stark in Griesbeckerzell. Dort lebt die fünfköpfige Familie gemeinsam mit momentan fünf tierischen Mitbewohnern: Hund Schnitzel, den Hauskatzen Sepp und Schmuser sowie einem weiteren - ziemlich wertvollen - Katzenpaar. Seit Anfang dieses Jahres züchtet Samantha Teufel mit ihrem Mann nämlich Bengalkatzen, im Mai brachte Katzenmama Batsch den ersten Wurf zur Welt. Von den drei Babys sucht eines noch ein Zuhause, Kätzchen Mollimops. Ein Kitten kostet rund 1000 Euro.

bengalkatzen-familie

2014 machte sich die Familie auf die Suche nach einer weiteren Katze, und es war von Anfang an klar: "Wir wollen nichts, was jeder hat", erklärt Samantha Teufel. Hund Schnitzel etwa ist ein Basenji, auch Kongo-Terrier genannt, er stammt aus der Züchtung von Teufels Mutter. Bei der Recherche nach einer außergewöhnlichen Katzenrasse stieß Samantha Teufel auf ihre jetzigen Mitbewohner. "Die Bengalen sind einfach einzigartig", merkte die 33-Jährige schnell.
2014 kauften Samantha Teufel und ihre Familie Katze Batsch, zunächst als Liebhabertier, also nicht für die Zucht gedacht. Dann wünschte sich Tochter Sophia Katzennachwuchs, und die Eltern waren auch schnell angetan von der Idee.
Sie sind Mitglieder im Deutschen Edelkatzenzuchtverband (DEKZV) geworden und haben sich über Züchtungsvorgaben informiert. Katze Batsch musste zunächst einmal ausgiebig untersucht werden. Bei den Bengalen muss vor allem auf den Ausschluss von Herz- und Nierenerkrankungen sowie grauem Star geachtet werden. Daraufhin musste Samantha Teufel die Papiere der Katze beim Züchter beantragen.
Und letztlich benötigt man für die Zucht nicht nur eine Katze, sondern auch einen Kater. Der Zuchtkater muss allerdings zeitweise räumlich vom Weibchen getrennt werden können, sonst kommt es, wenn die Katze rollig ist, ständig und somit nicht planbar für den Züchter zur Deckung. Noch ist dieser Raum nicht vorhanden, weshalb sich Samantha Teufel und Thomas Stark momentan einen Deckkater ins Haus holen oder ihn mit Batsch zur passenden Zeit besuchen. Bei guten Katern liegt der sogenannte Deckpreis zwischen 800 und 2000 Euro - unabhängig davon, ob die Paarung auch tatsächlich funktioniert hat und wie viele Kitten zur Welt kommen.
Zwischen drei und acht Kätzchen bringen die schwangeren Bengalkatzenmamas nach neun Wochen Tragezeit durchschnittlich zur Welt, bei Batsch waren es im Mai drei weibliche Kitten. Nur die weiße Mollimops sucht momentan noch ein neues Zuhause.
Ein zweiter Versuch, der Ende des Jahres wieder Nachwuchs bringen sollte, verlief ohne Erfolg.
Die Kätzchen wiegen bei der Geburt rund 90 Gramm. Der Nachwuchs bleibt mindestens zwölf Wochen bei der Mutter. Bis dahin hat ihn die Züchterin mehrmals beim Tierarzt gründlich untersuchen lassen, so dass den Kitten ein Gesundheitszeugnis ausgestellt werden kann, geimpft und entwurmt sind sie ebenfalls. Auch diese zuchtrelevanten Untersuchungen, die ein gesundes Tier garantieren sollen, sind Gründe, warum die Bengalkatze so teuer ist in der Anschaffung. Hinzu kommt, dass es sich um eine Hybrid-Rasse handelt (da Kreuzung zwischen Wild- und Hauskatze). "Die Bengalkatze ist die bisher einzige registrierte domestizierte Katzenrasse mit Leopardenfell", erklärt die Züchterin. Unterhalts- und Futterkosten spielen ebenfalls eine Rolle.
Der Unterschied zu einer gewöhnlichen Hauskatze ist bei den Bengalen nicht nur äußerlich sichtbar. Auch der Charakter ist speziell, denn das Wilde steckt in ihren Genen. Unkastrierte Tiere markieren sehr stark, manchmal verrichten die Bengalkatzen ihre Notdurft in der Wasserschale (in der freien Wildbahn tun die asiatischen Leopardenkatzen das, damit der Geruch ihres Geschäfts keine Feinde anlockt) und sie fressen mit den Pfoten, nicht direkt aus dem Napf. Ebenso haben sie keine Angst vor Wasser. Ihr weiches, kurzes Fell haart kaum bis gar nicht. Sie haben so gut wie kein Unterfell, weshalb sie in der Regel auch für Allergiker gut geeignet sind.
Die Bengalen "brauchen viel mehr Fleisch", erklärt Samantha Teufel der AICHACHER ZEITUNG. Die Katze habe praktisch immer Hunger. Das zeigt sich, als Teufel den Küchenschrank öffnet, um der Redakteurin die Futterdosen zu zeigen, und fortan belagert und lauthals von Batsch und Mollimops um Fressen angebettelt wird.
Im Wechsel füttert Samantha Teufel Dosenfutter und rohes Fleisch - Rind, Geflügel, auch tote Küken - oder Fisch. Trockenfutter gibt es aus einem einfachen Grund selten: "Echte Wildkatzen trinken eigentlich kaum etwas, das Trockenfutter entzieht den Tieren aber viel Flüssigkeit."
Bei Batsch zeigte sich ihr wildes Gemüt nur, als der Nachwuchs da war. Damals musste Züchterin Samantha Teufel die anderen Katzen und den Hund von ihr fernhalten, obwohl sie normalerweise friedlich zusammenleben. "Um ihre Babys zu beschützen, ist sie wirklich sehr aggressiv geworden. So habe ich sie noch nicht erlebt", erinnert sich die 33-Jährige. Anfangs war die zweijährige Katzenmama zudem überfordert, immerzu schrien die Kleinen nach Muttermilch. Zwei Tage lang hat Züchterin Samantha Teufel vor der Katzenbox geschlafen, um sicherzugehen, dass Batsch nicht aufgibt und das Weite sucht.
Samantha Teufel hat in absehbarer Zeit nicht vor, sich einer anderen Katzenrasse zu widmen. Zum einen muss man sich als Züchter sehr stark mit Genetik auseinandersetzen und dazu erst einmal Bücher wälzen und Seminare besuchen. Zum anderen hat die Familie aus Griesbeckerzell ihre Leidenschaft in Sachen Katzen gefunden: "Einmal Bengal, immer Bengal", erklärt sie. Kein Unterfell: Option für Allergiker

Von Nayra Weber Die Bengalkatze ist 1963 aus der Kreuzung der asiatischen Leopardenkatze, einer Wildkatze, mit einer kurzhaarigen Hauskatze entstanden. Seit 1984 ist sie als eigenständige Rasse anerkannt. Die heutigen Bengalen werden nur noch reinerbig gezüchtet, also nur noch untereinander verpaart.
Durch die Wildkatze beeinflusst, haben sie ein leopardenartiges Fell in Weiß oder Braun mit schwarzen Punkten (Spots) oder marmoriert (Marbles).
Verkauft werden entweder Liebhabertiere (vom Kunden als Haustiere gehalten) oder (teurere) Zuchttiere.
Teufel und Stark verkaufen ausschließlich Liebhabertiere. Um anschließende Schwarzzucht mit den Bengalen zu vermeiden, erhalten Kunden die Originalpapiere erst, wenn das Tier kastriert ist und so tatsächlich nicht mehr für die Zucht genutzt werden kann. Wird nicht kastriert, wird der Zuchtpreis fällig.
Wer Bengalkatzen hält, muss viel Zeit zum Spielen aufbringen. Sie haben zudem eine enorme Sprungkraft und sollten diese auch ab und an ausleben können. Ein Freigehege oder ein geschützter Balkon mit Klettermöglichkeiten, wo sie sich bei passender Witterung austoben können, sollte daher vorhanden sein.
Ansonsten sind die Bengalkatzen sehr zutrauliche und verschmuste Tiere. Sie können über 15 Jahre alt werden. Man sollte die Bengalkatze immer in Gesellschaft mit mindestens einer weiteren Katze halten, die Rasse spielt dabei keine Rolle. (nay)
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Veröffentlicht am 10.11.2017 23:00 Uhr




 

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