Aichach    

Fachkräftemangel: Kommt die Trendwende?

Aichach - Vom Fachkräftemangel wird seit Jahren gesprochen. Die Betriebe finden auch deswegen immer weniger Lehrlinge, weil der Trend zu höheren Schulabschlüssen geht und die Absolventen ins Studium drängen. Womöglich findet aber ein Umdenken statt. Einige Zahlen, die das Bildungsbüro des Landkreises bei der jüngsten Sitzung des Bildungsbeirats vorstellten, deuten das an.

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"Nicht jeder muss studieren, wir brauchen auch Handwerker" - was Politiker und Bildungsexperten seit langem immer wiederholen, schien bislang auf wenig Gehör bei Schülern und vor allem bei ihren Eltern zu stoßen. Die Zahl der Abiturienten und Studienanfänger stieg, auf die Realschule setzte ein regelrechter Run ein, und die Mittelschule wurde in der Wahrnehmung vieler Menschen zu der Restschule, die sie nicht ist. Im Landkreis Aichach-Friedberg nahm beispielsweise zwischen 2007 und 2017 die Zahl der Schüler mit Hochschulreife um 58 Prozent zu, die Mittleren Schulabschlüsse um 36 Prozent, die Zahl der Absolventen mit QA oder Mittelschulabschluss sank dagegen um 45 Prozent.
Abiturienten, die eine Ausbildung in einem Handwerksbetrieb anfingen, waren die Ausnahme - und sind das mit etwa acht Prozent eines Abiturjahrgangs auch heute noch, allerdings mit steigender Tendenz. Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) meldet konstante bis steigende Zahlen. Die Zahl derjenigen, die im Landkreis mit Hoch- oder Fachhochschulreife eine Berufsschule besuchen, ist nach wie vor gering, aber aktuell doppelt so hoch wie im Jahr 2006.
Das ist auch das Resultat vieler Bemühungen von IHK und Handwerkskammer (HwK), die für eine Karriere in Ausbildungsberufen werben. Es gibt viele verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zum Studium, und ein großer Teil der kleineren und mittleren Betriebe braucht in den kommenden Jahren Führungskräftenachwuchs. Aufstiegsmöglichkeiten sind also vorhanden.
Auch insgesamt gibt es leicht positive Signale in den Ausbildungsberufen. So verzeichneten sowohl IHK wie auch HwK zuletzt Zuwächse bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Im Wittelsbacher Land schlossen im Jahr 2017 genauso viele junge Menschen einen Ausbildungsvertrag in IHK- oder HwK-Berufen wie im Jahr 2011 ab. Das ist bemerkenswert, denn in dieser Zeit ist die Zahl der 15- bis 19-Jährigen im Landkreis zurückgegangen. Erst seit 2015 gibt es einen Gegentrend durch Flüchtlinge und Migranten.
Im Bildungsbeirat stellten die Mitarbeiter des Bildungsbüros einige Maßnahmen vor, mit deren Hilfe die Berufsorientierung in den Schulen weiter verbessert werden soll. Dazu zählt zum Beispiel eine Schülerwerkstatt für Schüler der Gymnasien, Realschulen und der FOS, in der sie Erfahrung in Handwerksberufen machen können. Außerdem ist der Ausbau von Orientierungsangeboten in den Abschlussklassen der weiterführenden Schulen geplant. Sie sollen in Zukunft auch bei der Berufs- und Studienorientierung unterstützt werden und ein "Berufswahl-Siegel" erhalten.
Auch die speziellen Angebote für neuzugewanderte Menschen in den Bereichen Ausbildung und Arbeitsvermittlung wird das Bildungsbüro weiterführen oder ausbauen. Alles zusammen soll dazu beitragen, dass sich der Trend zu Ausbildungsberufen fortsetzt und der Fachkräftemangel etwas abgemildert werden kann, und aus den ersten erkennbaren zarten Tendenzen vielleicht doch ein Trend zu Ausbildungsberufen wird.

Von Dr. Berndt Herrmann


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Veröffentlicht am 18.02.2018 23:00 Uhr




 

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