Aichach    

Auf den Spuren Sisis

Aichach - Wer hätte gedacht, dass Venedig in Italien und der Aichacher Ortsteil Unterwittelsbach eine Gemeinsamkeit haben. In beiden war Sisi, die spätere Kaiserin von Österreich, zu Besuch. Bei der inzwischen zwölften Fahrt auf Sisis Spuren, die von der Stadt Aichach angeboten und von der Regio Augsburg organisiert wird, war Venedig der Reisehöhepunkt für die knapp 60 Teilnehmer. Die Stadt ist ein neues Mitglied entlang der Kulturroute Sisi-Straße.

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Längst nicht so bequem wie die Reisegruppe aus Aichach war die Kaiserin vor rund 150 Jahren unterwegs. Damals begann gerade der Ausbau des Eisenbahnnetzes in Europa, erzählte Reiseleiterin Priska Hassan von der Regio Augsburg. Mehr als 100 Köpfe zählte der Hofstaat, mit dem Sisi 1870 und noch einmal 1889 nach Meran reiste und sich im Schloss Trauttmannsdorf einquartierte.
Bei einer Führung durch die Gärten des Schlosses, einer der ersten Stationen der viertägigen Reise, erfuhren die Teilnehmer, dass vom Hofstaat nur die engsten Vertrauten der Kaiserin mit ihr im Schloss wohnten. Die "Sisi-Promenade" erinnert daran, dass für die Spaziergänge der Kaiserin eigens Wege angelegt worden waren. Eine vor dem Schloss auf einer Steinbank sitzende Figur von Sisi erinnert an ihren Aufenthalt in dem Schloss. Trauttmannsdorf, wo die Kaiserin wegen des gesunden Klimas überwinterte, ist die nördlichste Station der italienischen Sisi-Straße. Die Führung durch einen Teil der rund zwölf Hektar großen Parkanlage war eine Art Schnupperkurs, in der die Teilnehmer der Reisegruppe unter anderem einen etwa 700 Jahre alten Olivenbaum oder eine kleine Reisplantage sahen.
Sisi fühlte sich nicht nur in Meran wohl. Die Kaiserin liebte auch die Lagunenstadt Venedig. Die eher abweisende Haltung der Venezianer gegenüber den ehemaligen Habsburger Herrschern habe "nur die Schönheit der Kaiserin" aufgehoben, erzählte die Reiseleiterin der Regio Augsburg.
Zum 175. Geburtstag Sisis 2012 schlossen die Venezianer Frieden mit den Habsburger Herrschern und errichteten im Museum Correr am Markusplatz eine Gedenkstätte für die Kaiserin. Insgesamt neun Zimmer des Kaiserappartements von Franz Joseph und Elisabeth können besichtigt werden.
Im Audienzsaal, wo heute ein Gemälde der Kaiserin steht, empfing sie während ihres Aufenthalts in der Lagunenstadt Besucher. Ihr persönliches Boudoir im "Kaiserflügel" zieren Maiglöckchen, ihre Lieblingsblumen, in gemalter wie in Stuckform.
Besonders die Teilnehmer, die das erste Mal mit Stadt auf Reisen unterwegs sind, waren beeindruckt vom Programm. "Ich war erstaunt, was uns alles geboten wird", sagt Jonny Michl aus Aichach. Neben einem Abstecher ins Café Sacher in Innsbruck auf der Hinfahrt, dem Besuch von Schloss Trauttmannsdorf und der Fahrt mit dem Motorboot nach Venedig, ging es auch auf die Insel Murano. Dort besuchte die Gruppe eine Glasbläserei.
"Es war toll organisiert und wir kamen an viele Orte, an die man sonst nicht so einfach kommt", lobt Thomas Schlosser aus Alsmoos. "Wir haben viel gesehen und viel erfahren", sagt Roswitha Waldschmidt-Bergmeir. Sie ist nicht die Einzige, die am Ende der Reise Busfahrer Andreas Kovac lobte. Auch Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann sagte abschließend: "Er hat uns die ganze Fahrt über bestens informiert."
Im kommenden Jahr wird die Stadt wieder auf Reisen gehen. Allerdings eher im Mai oder Juni, weil im September die Mittelalterlichen Markttage stattfinden werden. Wohin es gehen wird, ließ Habermann offen: "Es gibt erste Ideen." Vielleicht werde es eine Musicalfahrt mit Rahmenprogramm, überlegt der Bürgermeister. Die Schönheit der Kaiserin eroberte die Herzen der Venezianer

Von Gerlinde Drexler
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Veröffentlicht am 12.09.2017 23:00 Uhr




 

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