Aichach    

Schräge Suche nach der Liebe

Aichach - Die sprachliche Gewandtheit und die Eigenarten der Charaktere machen Büchners Lustspiel "Leonce und Lena" für Theaterzuschauer so unterhaltsam. Bewiesen haben das nicht zuletzt die zehn Darsteller des Ensembles am Theater Weiss, das am Donnerstag in den Fotostudios von Holger Weiß Premiere feierte. Die rund 80 Zuschauer zeigten sich beeindruckt. Die Theatermacher setzten bei der ersten Inszenierung auf ein minimalistisches Bühnenbild, vor dessen Kulisse die schauspielerischen Fähigkeiten in den Bann zogen.

Zwar nicht in gelber Weste und himmelblauen Hosen wie im Original, aber dennoch wahrlich als Erscheinung betritt Regisseur udn Darsteller Alexander vom Stein als Valerio die Bühne. Dunkel geschminkt, in schwarzer Jeans, Lederweste und mit nacktem Oberkörper macht Valerio sich über den Alkohol her und philosophiert mit Leonce über den Sinn des Lebens und der Liebe. Die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn ist fließend, was in dieser Rolle eindeutig zum Ausdruck kommt. Auf allen Vieren kriecht Alexander vom Stein durchs Fotostudio, singt übers Wirtshaus und mischt sich ins Publikum.
Den Wahnsinn sieht man allerdings auch Prinz Leonce an, den Ferdinand Kreitmair verkörpert. Es sei "ein sonderbares Ding um die Liebe", erklärt er mit starrem Blick. Er schnallt sich eine E-Gitarre um und lässt Rosetta für sich tanzen (Choregraphie: Elena Ludwig) - um ihr daraufhin den Laufpass zu geben. Sie singt sich den Schmerz von der Seele - und Darstellerin Marie Holzapfel berührt mit ihrer Darbietung die Zuhörer.
Von Traurigkeit geprägt ist auch die Rolle der Prinzessin Lena, die (scheinbar) gegen ihren Willen mit Leonce verheiratet werden soll und von Mathilde Mahrenholtz sehr eindrucksvoll verkörpert wird.
In den Bann gezogen werden die Zuschauer nicht durch aufwändige Bühnenbilder, sondern durch das Schauspiel, die eigens komponierte Musik (Alexander vom Stein und Ferdinand Kreitmair) und die Liebe zum schrägen Detail. So wird König Peter (Kurt Rauscher) sicherheitshalber mit einem Tropf ausgestattet, die Uniform des Präsidenten (Justin Weichenberger) zieren zwei nackte Barbies.
Die Premierengäste jedenfalls zeigten sich beeindruckt von der ersten Darbietung des Theater Weiss, wie man nach der Vorstellung vernehmen konnte. Auch Regisseur Alexander vom Stein war mit der Leistung sehr zufrieden, wie er auf Rückfrage der AICHACHER ZEITUNG erklärte.
Weitere Aufführungstermine: am heutigen Samstag, Mittwoch, 24. Mai, Freitag, 26. Mai, und Samstag, 27. Mai, jeweils um 19.30 Uhr sowie am Sonntag, 21. Mai, um 18 Uhr, am Donnerstag, 25. Mai, um 11 und 18 Uhr und am Sonntag, 28. Mai, um 11 Uhr. Tickets kosten zwölf (Erwachsene), acht (ermäßigt) und fünf (Kinder) Euro.

Von Nayra Weber


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Veröffentlicht am 08.09.2017 23:00 Uhr




 

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