Aichach    

Nachbarn lehnen Sozialwohnungen ab

Aichach - Etwa 350 000 neue Wohnungen werden in Deutschland laut Bundesbauministerium benötigt. Jährlich. Besonders dringend wird bezahlbarer Wohnraum gebraucht, das lukrative Hochpreissegment boomt von alleine. Der soziale Wohnungsbau kommt dennoch nur schwer in die Gänge. Seit zwei Jahren gibt es zwar interessante Förderprogramme. Dass sie kaum abgerufen werden, hat mehrere Gründe. Vor allem fehlen die Grundstücke, deren Kauf nicht gefördert wird. Eher unerwartet ist der Widerstand aus der Bevölkerung.

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Max Rössle, Chef der Aichacher Baugenossenschaft und der Kreis-Wohnbaugesellschaft, ist zuletzt bei einem Projekt in Mering auf Widerstand bei den Nachbarn gestoßen. An der Schwägerlstraße muss ein Spielplatz dem Neubau von 13 Wohnungen weichen. Um die Bedenken zu entkräften, wurde eine Infoveranstaltung durchgeführt. Ein Teil der Einwände bezieht sich auf die Dimensionen des Gebäudes, ein Teil zielt aber auch auf die künftigen Bewohner ab. "Es gab da nicht viele laute, aber doch stille Vorbehalte", erzählt Max Rössle. Und das ist nicht nur in Mering so. Die Nachbarn denken beim sozialen Wohnungsbau an Hartz-IV-Empfänger, Ausländer, Asylberechtigte und vermuten dahinter eine bis in ihren Privatbereich ausstrahlende Verminderung von Lebensqualität. Je kleiner die Gemeinde, so Max Rössle, umso größer die Befürchtungen. "Aber man darf die Menschen doch nicht pauschal so abwerten."
Abgesehen davon gehört Mering mit über 14 000 Einwohnern nicht zu den kleinen Gemeinden. Der Pöttmeser Ortsteil Handzell mit rund 750 Bewohnern dagegen schon. Trotzdem ist Bürgermeister Franz Schindele, gelinde gesagt, überrascht vom Widerstand gegen ein Bauprojekt. Drei Mehrfamilienhäuser mit bis zu sechs Wohneinheiten waren dort geplant. Nach Gesprächen hat sich der Investor bereit erklärt, eine freiwillige Mietpreisobergrenze zu vereinbaren. Sie hat die Bereitschaft des Gemeinderats erhöht, eine Bebauung außerhalb des Bebauungsplans zu ermöglichen.
Vor einigen Tagen endete die Frist für die vorzeitige Bürgerbeteiligung. "Es wurde erhebliche Bedenken formuliert", sagt Schindele. Zwar haben die meisten mit bautechnischen Aspekten oder dem Naturschutz zu tun - auch der Rot-Milan, der durch die Windradgegner weithin bekannt wurde, kommt zu seinem Recht -, "aber man bekommt schon mit, wo die eigentliche Kritik liegt". Die ist auch beim Investor angekommen, der in dieser Woche ein Gespräch mit dem Bürgermeister geführt hat, in dem es darum ging, das Vorhaben möglicherweise in verkleinerter Form weiterzuverfolgen.

Von Carina Lautenbacher Lesen Sie den ganzen Artikel in der Dienstagsausgabe der Aichacher Zeitung.


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Veröffentlicht am 17.04.2017 23:00 Uhr




 

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