Aichach    

Wohnungsbau für die Mitte der Gesellschaft

Aichach - Wie der soziale Wohnungsbau gefördert werden kann, war das Thema eines Besuchs von Florian Pronold in Aichach. Der Chef der bayerischen SPD und Staatssekretär im Bundesumweltministerium diskutierte mit Politikern seiner Partei sowie Vertretern der Kreis-Wohnbaugesellschaft darüber, mit welchen Mitteln schnell geeigneter Wohnraum geschaffen werden kann.

pronold

Max Rössle, Geschäftsführer der Kreiswohnbaugesellschaft und der Aichacher Baugenossenschaft, erklärte die Situation im Wittelsbacher Land, wo nicht nur Bau und Sanierung im Vordergrund stehen, sondern auch Quartiersmanagement, das dafür sorgt, dass in den Wohneinheiten das soziale Miteinander gut funktioniert. Das aufgelegte Förderprogramm zum sozialen Wohnungsbau hält der Experte für ausreichend, allerdings ist es nur für die tatsächliche Bautätigkeit abrufbar. Damit ließen sich durchaus Projekte verwirklichen - wenn da nicht der Grunderwerb wäre. Er macht die Realisierung unwirtschaftlich. Eine von Pronolds Empfehlungen war deshalb, den Gebäudebestand daraufhin zu untersuchen, ob man ihn möglicherweise aufstocken kann.
Ein weiterer Aspekt der Grundstücksfrage sind die vielen unbebauten Flächen innerhalb von Ortschaften und parallel die Zielsetzung der Bauleitpolitik, die Landschaft nicht weiter zu zersiedeln und Bauland außerhalb zu erschließen. Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann legte dar, dass kürzlich eine Übersicht über unbebaute Grundstücke im Stadtgebiet erstellt wurde. Bei dieser hohen Anzahl von Flächen "tränen einem die Augen". Weshalb man Florian Pronold zufolge über die Einführung einer "Grundsteuer C" nachdenken müsste, mit der Kommunen analog zu den Grundsteuern A und B Hebesätze für unbebaute Flächen erheben könnten. Und selbst wenn es Bauplätze gibt, profitieren nicht alle davon, wie die Aindlinger Gemeinderätin Helga Holland ausführte. "Die jungen Paare haben dafür einfach noch kein Geld."
Wiederholt wies Pronold darauf hin, dass sozialer Wohnungsbau nicht für abstrakte gesellschaftliche Randgruppen relevant sei, sondern für "die Mitte der Gesellschaft". Was Rössle unterstrich: Eine vierköpfige Familie mit einem Jahreseinkommen von 60 000 Euro sei in einer der Kategorien anspruchsberechtigt. Da sei man weit von Hartz IV weg. Auch die Landtagsabgeordnete Simon Strohmayr machte - unter anderem mit Blick auf das neue Universitätsklinkum in Augsburg - darauf aufmerksam, dass man bezahlbaren Wohnraum nicht nur für Ärzte, sondern auch für Krankenschwestern zur Verfügung stellen müsste.
Klar wurde in der Diskussion, dass überbordende Regulierung für alle Beteiligten ein schwieriger Punkt ist. Max Rössle beispielsweise ist der Ansicht, dass die Stellplatzsatzungen der Gemeinden für sozialen Wohnungsbau überdacht werden müssten.

Von Carina Lautenbacher
gartenstraße-seitenansicht


Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.

Veröffentlicht am 11.07.2017 00:00 Uhr




 

Drucken   Speichern   Senden    Leserbrief