Aichach    

"Ich habe keine Kraft mehr"

Aichach/Affing - "Ich habe keine Kraft mehr. Nach sieben Jahren beende ich meine Tätigkeit in Aichach." Der Frust bei Sonja Stangl sitzt tief. Seit gut eineinhalb Jahren hat die Affingerin im Raum Aichach einen Platz für ihre Hundeschule gesucht (wir berichteten ausführlich). Vergeblich. Das Baurecht machte ihr stets einen Strich durch die Rechnung. Betroffen reagieren nun Freunde und Kunden der ausgebildeten und erfolgreichen Hundetrainerin. Auf der Online-Plattform Chance.org haben sie eine Petition an Bürgermeister Klaus Habermann gestartet.

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Rund 270 Hundefans haben bis dato unterschrieben. Die Unterzeichner bitten Habermann, seinen Einfluss geltend zu machen und noch einmal zu prüfen, ob es nicht doch eine Genehmigungsmöglichkeit gebe. Es sei völlig unverständlich, dass auf der einen Seite die Erziehung und Ausbildung von Hunden beziehungsweise ihrer Halter gefordert werden, auf der anderen Seite allerdings die Möglichkeit, dies umzusetzen, unmöglich gemacht werde.
Sonja Stangl hat sich bei Anton Fichtlmeier ausbilden lassen, lehrt bis heute nach dessen Konzept und war zunächst vier Jahre lang bei einer Hundeschule in Neusäß angestellt. 2009 hat sie sich selbstständig gemacht und 2010 bei Aichach ihren ersten Hundeplatz eröffnet. Ende 2015 musste sie das Gelände aufgeben, die Eigentümer wollten die Wiese umfunktionieren. Seitdem ist die gelernte Steuerfachgehilfin im gesamten nördlichen Landkreis auf der Suche nach Ersatz. Erfolglos. Die Absagen füllen einen Ordner, der Frust sitzt tief. "Man will gut erzogene Hunde, eine Hundeschule will man aber nicht", lautet ihr entnervtes Fazit. Dabei liege es eigentlich nicht am Mangel an potenziellen Flächen, die ihr sehr wohl zur Verfügung gestellt würden, sondern an der notwendigen Genehmigung. Eine Hundeschule ist letztlich ein Gewerbebetrieb, die Auflagen sind entsprechend - auch wenn es eigentlich nur um eine eingezäunte Wiese geht, und die Kunden mit dem Auto zum Kurs kommen. Das gilt auch für die Alternativen: Innerörtliche Flächen werden mit Verweis auf mögliche Lärmbelästigungen abgelehnt, Wiesengrundstücke außerhalb der Ortschaften als "nicht bebaubarer Außenbereich" eingestuft. Als Gewerbebetrieb kommt eine Privilegierung, wie sie Landwirte kennen, nicht in Frage.
Gerne hätte Stangl ein Grundstück in einem Gewerbegebiet gekauft. Sie brauche halt aber nur an die 1000 Quadratmeter, nicht das Zehnfache. Bis dato seien alle entsprechenden Anfragen allein daran gescheitert. Die Mitbenutzung des Grundstücks eines Gewerbebetriebes wurde aus rechtlichen Gründen abgelehnt, und auch der letzte Versuch, sich auf sichere Beine zu stellen, war im Grunde zum Scheitern verurteilt. Rund 150 000 Euro wollte Stangl nach eigenem Bekunden in ein Areal an der Augsburger Straße schräg gegenüber der Firma Bayern-Fass investieren. Ihren Antrag, dazu einen Bebauungsplan aufzustellen, hat sie kurz vor der entsprechenden Sitzung des Aichacher Bauausschusses freiwillig zurückgezogen, nachdem ihr die Bauverwaltung wenig Aussichten auf Erfolg signalisiert hatte. Begründung: Das Grundstück befinde sich im Außenbereich, im Flächennutzungsplan sei es zur bevorzugten Anlage von Trockenbiotopen ausgewiesen. Zudem wurde auf eine angrenzende Wohnbebauung verwiesen. Stichwort: Lärmentwicklung, zum Beispiel durch Trainerrufe. "Ja stimmt, manchmal muss ich schon meine Stimme erheben. Mein 'Pfui is des' ist allseits bekannt. Aber wenn das an der Augsburger Straße eine Rolle spielt, dann bin ich nur noch sprachlos", versteht Sonja Stangl die Welt nicht mehr.

Von Robert Edler Mehr dazu lesen Sie in der AICHACHER ZEITUNG vom 10. März 2017.


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Veröffentlicht am 30.06.2017 00:00 Uhr




 

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