Aichach    

Der interkulturelle Garten

Aichach – In der Kreisstadt Aichach kümmert sich mittlerweile ein ganzes Netzwerk um die Integration ausländischer Mitbürger beziehungsweise von Menschen mit Migrationshintergrund. Nun kommt ein neuer Baustein hinzu: ein interkultureller Garten. Unter dem Motto „Grow-Up in Aichach“ soll gemeinsame Gartenarbeit die Hürden unterschiedlicher kultureller Herkunft überwinden.

<p>Der interkulturelle Garten </p>

Letztlich soll der Garten ein Treffpunkt für die Bewohner Aichachs und Umgebung werden. „Jugendliche sollen zusammen mit ihren Familien wohnortnah an gemeinwesenorientiertes Handeln herangeführt werden“, heißt es in der Projektbeschreibung der Aichacher Außenstelle des „Beruflichen Fortbildungszentrums der Bayerischen Wirtschaft“ (bfz) Augsburg, das als Träger fungiert. Den Großteil der Kosten übernimmt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Heuer zum 1. September soll es mit den ersten Vorbereitungen losgehen, die Laufzeit wurde zunächst auf drei Jahre festgelegt. Zum Konzept des interkulturellen Gartens gehört wesentlich mehr als die Pflege von Salat, Kürbis & Co. In Diskussionsrunden werden die Teilnehmer ermutigt, die deutsche Sprache zu nutzen, neue Lernfelder wie beispielsweise Kunst, Sport oder auch Glaube sollen erschlossen werden, Beratungsangebote von der beruflichen Orientierung bis zur Hilfe bei Korrespondenz und Ämtergängen Unsicherheit im Alltag abbauen. Profitieren können alle Seiten: „Bisher wird Integration nur über die Sprache definiert. Migranten können aber viel mehr“, betont Ilona Hörmann vom bfz, die den interkulturellen Garten aufbauen wird und hofft, dass sich möglichst viele Teilnehmer einbringen. Derzeit ist sie auf der Suche nach geeignetem Personal, im Rahmen einer Informationsveranstaltung will sie das Projekt den Aichacher Bürgern noch im Detail vorstellen.

Das Gelände stellt die Stadt Aichach zur Verfügung. Am Anton-Kaluscha-Weg in direkter Nähe zum Griesbacherl befindet sich der ehemalige Schulgarten der Grundschule-Mitte. Er wird seit geraumer Zeit nicht mehr als solcher genutzt und soll nun wieder aufblühen. Bürgermeister Klaus Habermann sieht in der Aktion einen weiteren Baustein für das bestehende Integrations-Netzwerk in Aichach. Das reicht von Deutschkursen in Kindergärten als Voraussetzung für die Einschulung über die kontinuierliche Schulsozialarbeit bis zum Jugendzentrum und der Streetwork mit Uta Gottschalk. Nicht zu vergessen Einrichtungen wie die Caritas um Rosy Lutz, oder auch der Verein türkischer Eltern, die sich im Bereich der Integration engagieren und helfen, Vorurteile abzubauen.

In Aichach eine lohnenswerte Aufgabe. Knapp 2000 Spätaussiedler leben in der Paarstadt, was fast zehn Prozent der Bevölkerung entspricht. Dazu kommen etwa 1500 Bürger mit einem ausländischen Pass, unterm Strich haben also über 17 Prozent der Aichacher einen Migrationshintergrund. Probleme bereitete in der Vergangenheit immer wieder die sogenannte Ghettoisierung, die soziale Brennpunkte schuf.

In der Zwischenzeit hat sich die Lage offensichtlich deutlich verbessert, das Integrations-Netzwerk trägt Früchte. „Es läuft relativ konfliktfrei“, wie Klaus Habermann, Hauptamtsleiterin Aurelija Igel-Hauchwitz und ihr Mitarbeiter Manfred Müller betonen. Das bestätigt Aichachs Polizeichef Rudolf Rothhammer. Es sei zwar schon noch so, dass der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund an Straftaten wie Körperverletzungen „leicht höher“ sei als ihr Anteil an der Bevölkerung, allerdings sei das in Aichach keineswegs besorgniserregend. „Wir haben das durchaus im Griff“, so Rothhammer, der die Integrationsarbeit in der Paarstadt ausdrücklich lobt. Hier werde sehr viel getan, um Probleme schon im Keim zu ersticken.

Zufrieden ist auch Rosy Lutz von der Caritas. Seit vielen Jahren engagiert sie sich für Menschen, die Hilfe brauchen. Sie war im einstigen Asylbewerberheim aktiv, kümmert sich aber auch um die Probleme der zahlreichen Russlanddeutschen. Hier laufe es sogar fantastisch, findet Lutz: „Geredet wird leider immer nur von den wenigen Ausreißern, die es gibt. Der überwiegende Teil aber hat sich sehr gut integriert.“

Dass die Sprache ein Schlüssel zum Erfolg ist, das weiß jeder. Schon im Kindergarten werden deshalb spezielle Förderkurse angeboten. Schwerpunkte sind die Kindergärten in der Schulstraße und der Oskar-von-Miller-Straße. Sie haben einen hohen Anteil an Migrantenkindern, was auch für die Ludwig-Steub-Grundschule gilt. Aus diesem Grund werden dort seit Jahren Sprachkurse angeboten.

Wieder verbessert hat sich nach den Worten von Manfred Müller die Akzeptanz des Jugendzentrums unter deutschen Jugendlichen. Rund ein Drittel der Besucher stellen sie. Insgesamt haben sich derzeit rund 300 Jugendliche über die „Juze-Karte“ registrieren lassen, 40 bis 80 davon seien regelmäßig zu Gast, der Rest eher sporadisch.

Wieder aufleben lässt die Stadt in Zusammenarbeit mit Rosy Lutz und Uta Gottschalk das Quartierfest am St.-Helena-Weg. Zum ersten Mal fand es 2006 statt, in den zurückliegenden beiden Jahren war es ausgefallen. Am Samstag, 19. September, ab 14 Uhr ist die Bevölkerung eingeladen, mit den Spätaussiedlern ins Gespräch zu kommen. Für Essen und Trinken ist ebenso gesorgt wie für ein spezielles Kinderprogramm.

Von Robert Edler

Interessenten am Projekt „Grow-Up in Aichach“ können sich schon jetzt mit Ilona Hörmann vom Beruflichen Fortbildungszentrum Augsburg (bfz) in Verbindung setzen. Telefon: 0821/40 80 2-148; E-Mail: hoermann.ilona@a.bfz.de


Veröffentlicht am 26.08.2009 13:52 Uhr


 

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