Affing    

Die Affinger Wut

Affing – Ein ausgesprochen seltenes Kunststück gelang dem Affinger Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend. Obwohl man sich von den Machern des staatlichen Ausbauplanes „verarscht“ (Josef Engelschalk) und von der Politik brüskiert fühlt, bewahrte das Gremium im Beisein zweier Vertreter des Straßenbauamtes die Haltung. Allerdings ließen Bürgermeister Rudi Fuchs & Co. auch keinen Zweifel daran, dass man die Zurücksetzung der Nordumfahrung von der ersten in die Reserve dieser ersten Dringlichkeitsstufe nicht kampflos hinnehmen werde.

Michael Kordon, am staatlichen Bauamt für das Straßenwesen zuständig, und seinem Abteilungsleiter Stephan Garbsch war die undankbare Aufgabe zugefallen, den Räten den unlängst publizierten Entwurf des 7. Bayerischen Straßenausbauplanes zu erläutern. Rudi Fuchs hatte die Herren eingeladen und um es gleich vorwegzunehmen – sie schlugen sich wacker. Kordon machte zunächst mehrfach deutlich, dass es sich beim vorliegenden Schriftstück „erst mal nur um einen Entwurf“ handele, gleichzeitig betonte er aber auch, dass das Ministerium es nun den Beteiligten vor Ort überlassen werde, eventuelle Änderungen auszuhandeln. Im Klartext: Da die Ortsumfahrung Affing, beschlossen im Jahr 2003 und in der Planung sehr weit fortgeschritten, jetzt in die Stufe „1. Dringlichkeit Reserve“ verschoben worden sei, während beispielsweise die Oberbernbach umgehende Nordumfahrung Aichachs bislang „nicht viel mehr als ein Strich auf dem Papier“ sei, und dennoch in die „1. Dringlichkeit“ aufgenommen wurde, könnte nur ein Tausch im beiderseitigen Einvernehmen an dieser Einstufung etwas ändern. Da Aichach dazu jedoch keinerlei Neigung zeige (wir berichteten), werde dies auch der Regionale Planungsverband kaum ins Auge fassen.

Bemerkenswert: Auch nach dieser Schilderung der Sachlage fühlte sich kein Ratsmitglied bemüßigt, den Aichachern einen Vorwurf zu machen. Rudi Fuchs brachte die vorherrschende Stimmung auf den Punkt, als er sagte: „Es ist eine Frechheit, einfach die Kommunen aufeinander loszulassen, um eventuell einen Tausch zu bewerkstelligen. (...) Aber wir dürfen den Aichachern das nicht übel nehmen – wir hätten diesen gefühlten Vorteil im umgekehrten Fall wohl auch nur schwerlich hergeben wollen.“

Mit dem „gefühlten Vorteil“ bezog sich der Bürgermeister auf die Erklärungen Kordons, der mehrfach darauf verwiesen hatte, dass die neue Einstufung für seine Behörde nicht zwangsläufig bindend sei. Man habe schließlich viel Energie in die Affinger Umfahrung gesteckt, die Planungen seien weit fortgeschritten. „Ich denke, wir werden vom Ministerium eine Aussage zum Vorentwurf bekommen, in der drin stehen wird, dass wir weiterbauen sollen.“

Doch trotz Kordons Aufmunterungsbemühungen bewegte sich die über einstündige Debatte immer wieder zwischen den Polen Resignation und Wut. Hubert Brucklachner beschrieb die vorherrschende Stimmung mit den Gefühlen einer verschmähten Braut („Wir waren wohl nicht hübsch genug.“), und betonte, wie schwierig es sei, den Bürgern diese „unsinnige Entscheidung“ zu vermitteln. Markus Winklhofer sprach von einer „mehr als unbefriedigenden Entscheidung“ und hakte mehrmals nach, als Kordon von den „bayernweit geltenden Kriterien“ des Ausbauplanes sprach. Franz Wallner gab sich kämpferisch, als er Kordons Aussage, beim 7. Ausbauplan handele es sich nur um einen Entwurf, noch gelte der sechste, aufgriff: „Wie lange zieht sich das noch hin, bis wir Baurecht bekommen?“ Seine zwischen den Zeilen mitschwingende Hoffnung, das Baurecht für das Affinger Projekt könnte den Ausbauplan quasi überholen, wurde von Kordon jedoch zerstört: Mindestens vier bis fünf Jahre seien noch nötig, bis mit dem Bau begonnen werden könne.

Als die Diskussion sich im Kreis zu drehen begann, legte der Bürgermeister seinen Beschlussvorschlag vor. Demnach wird Fuchs damit beauftragt, „unter Ausschöpfung aller zur Verfügung stehenden politischen Möglichkeiten“ zu versuchen, die Wiedereinstufung der Nordumfahrung Affing in die Dringlichkeitsstufe 1 zu erreichen oder zumindest eine zeitnahe Weiterführung der Planung. Begründung: Die willkürliche Missachtung der Planungsreife sei „objektiv nicht nachvollziehbar“ und sei ein „Beispiel für die Verschwendung von Steuermitteln.“

Gegen den Beschluss stimmten die sechs Gemeinderäte aus Gebenhofen und Anwalting. Beide Ortsteile sind bekanntlich mehrheitlich gegen die vom Straßenbauamt aufgeplante Trassenführung der Nordumfahrung, scheiterten allerdings erst unlängst mit einem Alternativvorschlag. Während der Debatte hatten sie sich nicht zu Wort gemeldet. Der in den vergangenen Tagen in und um Affing zuweilen geäußerte Verdacht, die in der Interessensgemeinschaft IGUSAG organisierten Bürger aus Gebenhofen und Anwalting seien für die Rückstufung des Umgehungsprojektes in irgendeiner Form mitverantwortlich, wurde von Kordon allerdings in mehreren Wortbeiträgen zerstreut. Beim Entwurf des Ausbauplanes sei keinerlei politischer Druck – egal von welcher Seite – möglich gewesen. Weitere Berichte folgen.

Von Pat Lauer



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Veröffentlicht am 06.04.2011 17:13 Uhr




 

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