Affing    

Jedem Ende wohnt ein Zauber inne

Affing – Generationen von Affingern haben Erinnerungen an die alte Schule, sei es als Abc-Schützen, als Sänger im Kirchenchor, als Landjugendmitglied oder als Besucher des Café 1b. Am Samstag um 11.20 Uhr fiel der letzte Stein, das 1b ist damit Geschichte.

<p>Jedem Ende wohnt ein Zauber inne </p>

Der Abriss begann oben: Mit Spitzhacke und Hammer bearbeiteten die Mitarbeiter von Josef Balleis den Kamin, der erst vor wenigen Jahren neu gemauert worden war – dann ließ er sich leicht umschubsen und landete auf dem halb abgesperrten Mühlweg. Von der Nordseite machte sich der Bagger ans Werk und entfernte Stück für Stück die gesamte Wand vom Dachstuhl bis zum Erdgeschoss. Um das Dach zu stabilisieren und um zu verhindern, dass der Dachstuhl auf die Staatsstraße kippt, hielt ihn ein zweiter Bagger. Als die beiden Decken brachen, war es, als flögen tausende von Papierschnipseln aus den Fensterlöchern. Die Staatsstraße wurde zeitweise total gesperrt.

Danach griff der Bagger noch ein paar Mal in die Westseite – und mit einem Schlag krachte das Gebäude in sich zusammen, eine große Staubwolke blies sich von unten her auf und nebelte die mittlerweile zahlreicheren Zuschauer ein. „Mei, wos hom mir do drin Tatzen griagt“, erinnerte sich eine Passantin, während ein anderer Zuschauer eine Träne verdrückte. Einige Mitglieder der Landjugend hatten es sich am Kriegerdenkmal mit Klappstühlen gemütlich gemacht – nicht um zu demonstrieren, „sondern weil es so ein Gebäude verdient, beim Abriss dabei zu sein“, meinte Anna Limmer.

Doch das Treppenhaus und die Ostfassade hatten den Zusammenbruch überlebt. Rund eine Stunde lang wurden die Überreste der Schulsäle weggeräumt, um auch das Treppenhaus auf die Westseite fallen lassen zu können. Doch das blieb zäh: Um es zum Einsturz zu bringen, musste Josef Balleis mit seinem Bagger mehrmals gegen das Mauerwerk fahren – keine leichte Aufgabe.

1906 wurde das Schulsälehaus erbaut, 40 000 Steine mit den Maßen 7,5 mal 15 mal 30 Zentimeter hielten das Gebäude zusammen. Das hat Architekt Manfred Lux errechnet. Er war beim Abriss vor Ort, auch wenn er lieber weit weg gewesen wäre – Abbrucharbeiten gingen ihm auf den Magen, gab er zu. Doch nun müsse man in die Zukunft schauen, meinte er. Wenn das Grundstück, auf dem noch ein Haufen Steine, Holz und Stahl lagern – der Bagger obenauf – freigeräumt ist, wird Rasenschotter aufgebracht. Die Planungen für das neue Rathaus der Gemeinde Affing laufen bereits. Mit 18:2 Stimmen hatte sich der Gemeinderat im Juli für den Bau eines neuen Kubus und damit gegen den Erhalt der alten Schule ausgesprochen.

Weitere Bilder in der Galerie.

Von Verena Golling

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Veröffentlicht am 25.04.2013 11:39 Uhr




 

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