Affing    

Unter Schutz

Aichach/Affing - Im Wittelsbacher Land gibt es rund 670 Bodendenkmäler und um die 630 Baudenkmäler. Dabei handelt es sich vor allem um Kirchen, Marterl oder Feldkreuze, aber auch Schlösser, Bauernhöfe oder ganze Ensembles - wie der Aichacher Stadtplatz oder der Inchenhofener Ortskern. Sie werden vom Gesetz besonders geschützt, weil sie als Denkmal für die Allgemeinheit erhaltenswert sind. Das Landesamt für Denkmalpflege führt eine Liste aller Denkmäler in Bayern. Seit Kurzem ist darauf auch die Alte Schule in Gebenhofen zu finden.

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Der zweigeschossige Bau, der neben Kirche und Pfarrhaus steht, gehört der Gemeinde. Die muss das Gebäude nun instand setzen und instand halten. So will es das Bayerische Denkmalschutzgesetz. Ein Abriss, wie etwa bei der alten Schule (1b) in Affing, die 2010 dem Bagger zum Opfer fiel, kommt also nicht in Frage. Allerdings bedeutet Denkmalschutz nicht, dass ein Gebäude nicht mehr verändert werden darf. Es sei sogar wünschenswert, dass Baudenkmäler genutzt und bewohnt werden, erklärt Alexandra Beck, stellvertretende Pressesprecherin des Landesamts für Denkmalschutz.
Allerdings benötigt der Eigentümer eines Denkmals für jede Veränderung eine denkmalrechtliche Erlaubnis. Dafür ist die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt zuständig. Mit ihr muss jede Maßnahme abgesprochen werden, auch geringfügige Eingriffe wie etwa Anstrich, Farbgebung oder Fensterteilung. Auch Reparaturen sind erlaubnispflichtig: "Der reine Austausch einer Steckdose ist sicherlich unkompliziert möglich", erklärt Wolfgang Müller vom Landratsamt in Aichach. Wird aber eine neue Steckdose verlegt, mit Schlitzen, neuem Putz und so weiter, seien detailliertere Absprachen nötig. Soweit es zumutbar ist, sind Eigentümer von Denkmälern verpflichtet, sie zu erhalten und vor Gefährdung zu schützen. Sollten nötige Instandsetzungsmaßnahmen unterlassen werden, kann die Untere Denkmalschutzbehörde eine Notsicherung veranlassen - auf Kosten des Eigentümers. Laut Müller ist eine Unzumutbarkeit keine reine Berechnungsfrage, sondern eine Wertungsfrage und damit nach den Erfahrungen der Behörde die klare Ausnahme.
Auch Veränderungen im Umfeld von Denkmälern sind unter Umständen erlaubnispflichtig - vor allem dann, wenn sich die Veränderung auf das Erscheinungsbild des Denkmals auswirkt. Wie weit der Ensembleschutz reicht, beurteilt eine Fachstelle des Landesamts für Denkmalschutz. Dort laufen auch die Fäden zusammen, wenn es darum geht, "neue" Denkmäler zu erfassen. Denn die Denkmalliste ist immer nur eine Momentaufnahme, sie wird vom Amt kontinuierlich fortgeführt und überprüft. Eintragungen können aber beispielsweise von Heimatpflegern, den Eigentümern selbst oder auch von Dritten beantragt werden.
Das Landesamt für Denkmalpflege überprüft die Bedeutung eines Gebäudes für die Allgemeinheit unter geschichtlichen, kulturellen, städtebaulichen wissenschaftlichen oder volkskundlichen Aspekten. Das Amt sammelt Hinweise zum Gebäude, es gibt eine Begehung, Literatur- oder Archivrecherchen präzisieren die vor Ort gewonnenen Erkenntnisse. Wenn nötig, kann auch die Bauforschung wichtige Hinweise, etwa zur Konstruktion eines Hauses, liefern.
Anhand dieser Informationen bewertet das Landesamt ein Objekt nach den Kriterien des Denkmalschutzgesetzes - und nimmt es in die Liste auf, wenn das Baudenkmal für die Allgemeinheit von Bedeutung ist.

Was macht die Alte Schule in Gebenhofen zum Denkmal? Mehr über den Bau und seine Bedeutung auf Seite 19.

Von Verena Heißerer


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Veröffentlicht am 03.02.2019 23:00 Uhr




 

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