Affing    

Rudi Fuchs arbeitet im Landratsamt

Aichach - Es war ein anonymes Schreiben, das die Redaktion erreichte. Ein Auszug aus dem internen Computernetz des Landratsamts Augsburg mit dem Hinweis, der ehemalige Affinger Bürgermeister Rudi Fuchs arbeite nun dort.

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"Scheinbar verfolgt man mich bis ins Grab, anders kann ich's nicht sehen", sagt Rudi Fuchs dazu. In der Tat arbeitet der 60-Jährige seit Februar als Beschäftigter des öffentlichen Dienstes Vollzeit im Ausländeramt der Behörde. Der Diplom-Verwaltungswirt bewarb sich auf die Stelle, die ausgeschrieben war, und bekam den Job. Die Gemeinde Affing wurde, wie Bürgermeister Markus Winklhofer bestätigt, als ehemaliger Arbeitgeber von Fuchs darüber informiert: "Das ist so üblich."
Rudi Fuchs hatte sich, nachdem der Rechnungsprüfungsausschuss der Kommune verspätet eingegangene Gewerbesteuern bemängelt hatte, im April 2013 selbst angezeigt. Er hatte, wie seit Jahrzehnten Praxis in der Gemeinde, ortsansässigen Unternehmen die Steuern für geraume Zeit gestundet und keine Zinsen oder Säumniszuschläge erhoben. Allerdings hatte sich der Gemeinderat schließlich entschlossen, nicht mehr weiter derart zu verfahren - Fuchs hatte eigenmächtig gehandelt.
Das und weil er Mitglieder des Gemeinderats und der Verwaltung beleidigte, führte im August 2014 zu einem Strafbefehl über elf Monate Freiheitstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, sowie einer fünfstelligen Geldauflage wegen Untreue und Beleidigung in je zehn Fällen. Fuchs hätte gegen den Strafbefehl Einspruch einlegen können, doch sein Rechtsanwalt riet ihm, zu akzeptieren.
So kam es zu keiner Verhandlung vor dem Amtsgericht Aichach. Eventuell ein Fehler? Obwohl das Strafverfahren bekannt war, hatten ihn die Affinger im März 2014 mit fast 70 Prozent wieder zu ihrem Bürgermeister gewählt. Zudem wurde er Stellvertreter des Landrats. Nach dem Strafbefehl forderten seine Gegner immer lauter seinen Rücktritt. Fuchs erkrankte schwer. Zum 1. August 2015 wurde er als Bürgermeister in den Ruhestand versetzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass er als Diplomverwaltungswirt berufs- oder gar erwerbsunfähig wäre.
Es folgte die beamtenrechtliche Seite. Und dort zog es sich hin. Erst im März 2017 wurde vor dem Verwaltungsgericht in München verhandelt. Mit dem Ergebnis, dass Fuchs die Pension komplett aberkannt wurde - obwohl er sich nie persönlich bereichert hatte und der Gemeinde kein Schaden entstanden war. Fuchs ging in Berufung, zumal selbst der Landesanwalt auf lediglich zehn Prozent Kürzung seiner Bezüge für fünf Jahre plädiert und betont hatte, Fuchs habe stets "uneigennützig gehandelt".
Bislang hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof, die nächsthöhere Instanz, das Verfahren noch nicht terminiert. Es ist fraglich, ob es heuer noch stattfinden wird.
"Das alles geht jetzt schon fünf Jahre. Man kann sich die Belastung - auch für meine Familie - wohl vorstellen", sagt Rudi Fuchs. Seine neue Tätigkeit am Landratsamt Augsburg gefällt ihm, die Kollegen seien sehr nett, berichtet er. Seit September nimmt er auch seine Aufgaben als Kreisrat wieder wahr. "Man möchte doch auch einmal wieder Mensch sein. Scheinbar darf ich das nicht", meint er im Hinblick auf das anonyme Schreiben.

Von Monika Grunert Glas


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Veröffentlicht am 28.02.2018 23:00 Uhr




 

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